Was hat der Klingelberger mit Frankfurt zu tun?

Der Wein-Jahrgang 2012 verspricht wiederum ein Ausnahme-Jahrgang zu werden. Beste Qualität wird auch beim „Klingelberger“ geherbstet und alle Weinliebhaber dürfen sich schon jetzt auf einen durchaus spritzigen Wein freuen.

Der Wein-Jahrgang 2012 verspricht wiederum ein Ausnahme-Jahrgang zu werden. Beste Qualität wird auch beim „Klingelberger“ geherbstet und alle Weinliebhaber dürfen sich schon jetzt auf einen durchaus spritzigen Wein freuen.

Genau vor 230 Jahren – im Jahre 1782 – wurden auf Anregung des Markgrafen Carl Friedrich von Baden im Durbacher Klingelberg Riesling-Reben in reinem Satz angebaut. Bis dahin war es üblich, dass in einem „Haufen“ *1 Reben gleichzeitig verschiedene Sorten angebaut wurden. Es war früher auch üblich, dass man die Reben nicht in Reihen, sondern in unregelmäßigen Abständen anpflanzte. Markgraf Carl Friedrich gilt bis heute als sehr fortschrittlich und führte in vielen Bereichen seines Herrschaftsbereiches wesentliche Neuerungen ein. Er förderte nicht nur die Land- und Forstwirtschaft, sondern suchte auch Erleichterungen für seine Untertanen. Die Abschaffung der Leibeigenschaft war ebenfalls eine für die damalige Zeit sehr bedeutende Entscheidung. Rebmeister Kiefer war Stabhalter im Stab „Durbach-Heimburg“. Heimburg ist der Hauptort der ehemaligen „Stabsgemeinde“. Weitere „Stäbe“ waren „Gebirg“, „Obernesselried-Illental“ und „Bottenau“. Wohl unter Regie von Rebmeister Kiefer * wurden auf Anordnung des Markgrafen 2.000 Stück 2jährige Rißlingwürzlinge aus dem damals berühmten Weinberg zu Bergen und 1.500 Stück einjährige aus der Nähe von Frankfurt nach Durbach gebracht. Die Kosten dieser Würzlinge beliefen sich auf die stolze Summe von damals 16 Gulden bzw. 9 ½ Gulden.

Bei einem der letzten Themenabende im Wein- und Heimatmuseum konnte Gutsverwalter Achim Kirchner vom Markgr. Bad. Weingut Schloss Staufenberg zum Thema „Klingelberger“ in die reichhaltige Geschichte zurückgreifen. Als aufmerksamer Zuhörer war Dr. med. Thomas Helling von der Staufenburg Klinik überrascht, seinen so bekannten Heimatort Bergen in Durbach vorzufinden. Der vor über 200 Jahren so berühmte Weinberg zu Bergen liegt heute mitten in Frankfurt. Reben wird man in Bergen heute wohl kaum noch finden. Aber dies ist vielleicht eine interessante Aufgabe für das Wein- und Heimatmuseum in Durbach, das die Geschichte des Klingelbergers noch weiter erforschen möchte. Im Jahre 1975 erschien unter dem Titel „Tausend Jahre Weinbau am Berger Hang“ eine kleine Schrift von Werner Henschke und Dr. Ludwig Emmel, welche jetzt von Dr. Helling unserem Museum überlassen wurde. Weinbaugeräte im Heimatmuseum Bergen-Enkheim erzählen heute von der ruhmreichen Geschichte des Weinbaus in Bergen-Enkheim. 565 Morgen Weinberge wurden in Bergen-Enkheim, der damals bedeutendsten Weinbaugemeinde der Grafschaft Hanau, einst angepflanzt. Wo einst die Rieslingreben prächtig gediehen, und zur Nachahmung in den Durbacher „Klingelberg“ exportiert wurden, finden sich in den Gärten überwiegend Apfelbäume für den ebenso traditionellen hessischen „Äppelwoi“!

*1 Ein Haufen Reben bestand aus ca. 300 Rebstöcken

*2 Stabhalter war vergleichbar mit einem heutigen Ortsvorsteher, mit Teilverwaltung in der so genannten „Samtgemeinde“

Josef Werner, Ratschreiber, Oktober 2012eHe