St. Florian“ – heiliger Ort bei Schloss Staufenberg

An manchen schönen Tagen „pilgern“ hunderte von Wanderern der schönen Aussicht und des Weingenusses wegen, von allen Seiten auf Schloss Staufenberg. Am St.Wendelins-Tag, dem 20. Oktober pilgern ebenfalls viele Wanderer über Schloss Staufenberg Richtung St.Wendelin in Nussbach. Der alten Sage nach ist vor über 800 Jahren auch der wackere Ritter Peter Diemringer von Staufenberg auf dem gleichen Pfad nach Nussbach zur Kirche geritten. Direkt an diesem sagenumwobenen Weg, steht auf der Höhe zwischen Hespengrund und Illental ein Bildstock.

 

JOSEPH LOT

UND MARIA

ANNA WER

NERIN HABEN IN

MACHEN LASSEN

1818


Einst stand unmittelbar neben dem heutigen Bildstock eine kleine Kapelle, die dem hl. St. Florian geweiht war. Neben der Pfarrkirche „St.Heinrich“, der Kirche in Nesselried, der ehem. Wallfahrtskapelle St.Anton im Hardtwald, und der Schlosskapelle „St. Georg“ war „St. Florian“ ebenfalls vom Durbacher Pfarrer zu besorgen. Auch im „REGISTRUM EPISCOPATUS ET DIOECESIS ARGENTINENSIS aus den Jahren 1758 bis 1763 (Verzeichnis der Straßburger Diözese- Capitel Offenburg) finden sich unter der Zuständigkeit des Prämonstratensers Laurentius Knab in den Bereichen

St. Heinrich: 150 Katholiken und 3 Juden (jeweils Familien)

Dazu gehörten St. Anton und St. Florian

Neuweg: 24 Katholiken

Brandeck: 7 Katholiken

Stauffenberg, Castrum: 4 Katholiken Capella Sancti Georgii

Nesselried, Pars 33 Katholiken Capella B.M.V. Natae (Liebfrauenkapelle)

Wann das kleine Kirchlein errichtet wurde, kann nicht mehr genau nachvollzogen werden. Gestiftet und erbaut war die Kapelle vermutlich im Dreißigjährigen Krieg von Markgraf Wilhelm von Baden-Baden. Der Amtmann von Staufenberg hatte einst die Aufsicht über die Wallfahrtskapelle, wie auch über die Schloßkapelle St. Georg. In der Beschreibung des Pfarrguts durch den damaligen Pfarrer Laurentius Knab stand im Jahre 1776 noch unter „zufälligen Einkünften “: „Für ein Meß auf St. Florianum zu lesen 30 Kreutzer“. Im Jahr 1785 wurde die St. Florianskapelle, wie viele andere kleine Kapellen und Kirchen, durch die Maßnahmen Kaiser Josephs II. stillgelegt. Das Wallfahrtsbild des hl. Florian, des Schutzpatrons gegen Feuersgefahr, wurde in die Kirche von Durbach überführt. In der Durbacher Kirche ist heute jedoch nichts mehr von diesem Wallfahrtsbild zu finden. In der Landschaft finden sich ebenfalls nur noch wenige Hinweise auf das alte Kirchlein.

Von der jetzigen Gemarkungsgrenze zu Nesselried-Illental bis zum Schloss Staufenberg liegen die Gewanne „Kolbenhalde“ (wohl hinweisend auf das Rittergeschlecht der Kolb von Staufenberg), „Buhlenwald“ – (auch Buelenwald) „Geigerskopf“, „Am Burgweg“, „Kappelberg“ als Verbindung zur Florianskapelle und „Eselsgarten“ unmittelbar beim Burghof. In einer undatierten Karte: “Plan über das Amts Staufenberg“ um das Jahr 1780, ist der Standort der Florianskapelle unmittelbar neben dem Weg, auf der ebenen Fläche unterhalb des Bildstöckle, eingezeichnet. (Heute steht an dieser Stelle ein Wegschild) Alte Überlieferungen berichten, dass auf der ebenen Fläche oberhalb Kolbenhalde und Buhlenwald einst der Turnierplatz der Staufenberger Ritter war. Rebgelände-Veränderungen haben in den vergangenen Jahrzehnten die letzten Mauerreste vergangener Bauwerke endgültig verschwinden lassen.

Im Jahre 2002 hat der „Kurgast“ Rudolf Lachenmaier als Wünschelrutengänger den Standort des ehemaligen Heiligtums ausgemacht. Nach seiner Darstellung befand sich die Kapelle unmittelbar im Rebgelände neben dem heutigen Bildstock. Die von Lachenmaier festgestellten Maße des Bauwerks sind mit 5,25 m Breite und 8,25 m Länge erstaunlich und sicherlich auch realistisch. Zu bemerken ist hierbei, dass der Durbacher Pfarrer hier wohl regelmäßig Gottesdienste abhielt und auch Wallfahrten stattfanden.

Lachenmaier ermittelte im Zentrum des Chorraumes ein „Blind Spring Wasserfall-Effekt“, d.h. eine Verwerfungsspalte, in welcher das Wasser von 12 m auf 21m abfällt. Ebenso ermittelte er in diesem Zentrum 18 – 28.000 Bovis-Einheiten, was einen ausgesprochen „starken Kraftort“ kennzeichnet. Bezeichnend für dieses „Heiligtum“ ist auch die Tatsache, dass es in einer Linie mit dem Odilienberg, St.Anton im Durbacher Hardtwald und dem Kloster Allerheiligen liegt.

230 Jahre sind vergangen, seit die kleine Kapelle ihre Bedeutung für die Pilger verloren hat. Heute machen die Wanderer und „Pilger“, unwissend von dem ehemaligen Heiligtum, genau an dieser Stelle Rast, um das Panorama von Schloss Staufenberg, die Aussicht ins Durbachtal, nach Nesselried und die Rheinebene zu genießen, und sicherlich schöpft man hier die Kraft um die herrlich Landschaft weiter zu erkunden.

Oktober 2015

Josef Werner

Literaturhinweise:

  1. Die Freiherren von Ried in der Ortenau – von Gustav Rommel

  2. Pfarrarchiv Durbach:

  1. REGISTRUM EPISCOPATUS ET DIOECESIS ARGENTINENSIS

  2. Beschreibung des Pfarrguts in Durbach , den gesetzten und der zufälligen Einkünften



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