Erbvertragshuldigung in der Baden-Badischen
Herrschaft Staufenberg am 5. Februar 1765

 

In der Nacht vom 20./21. Oktober 1771 starb nach 65 Tagen schmerzvoller Krankheit der regierende Markgraf von Baden-Baden, August Georg, zu Rastatt, ohne männliche Leibes- und Thronerben zu hinterlassen. Angesichts des zu erwartenden Erlöschens der Baden- Badenschen Markgräflichen Linie hatten schon seit 1759 Verhandlungen zwischen den beiden Häusern Baden-Baden und Baden-Durlach über die Vereinigung der badischen Markgrafschaften stattgefunden, die nach Überwindung vieler Schwierigkeiten am 28. Januar 1765 zu einem Erbvertrag führten, wonach die Baden-Badenschen Land mit Ausnahme der böhmischen Herrschaften und des Reichslehens Ortenau in den Besitz von Baden-Durlach übergehen sollten. Des Einverständnisses der Nachbarstaaten und der Zustimmung des Kaisers hatte man sich dazu versichert.

Die „Herrschaft Staufenberg“ war seit der Teilung der Markgrafschaft in die Baden-Badische und die Baden-Durlachische Linie (Verträge vom 13. und 24. August 1535) im Besitz der Baden-Badener Markgrafen. Im Auftrag des Durlachischen Markgrafen Carl Friedrich kamen am 5. Februar 1765 Geh. Hofrat Ernst Ludwig Preuschen in Begleitung des Kaiserl. Notars Joh. Friedrich Hahn nach Durbach. Die Kommission hatte zum Ziel, die Huldigung der fürstlichen Dienerschaft und der Untertanen nach einer bestimmten Formel entgegen zu nehmen, sowie die Aufstellung eines notariellen Protokolls darüber zu fertigen.Nach Erledigung derselben Geschäfte in Mahlberg und Kürzel trafen die Beamten gegen 12 Uhr beim oberen Wirtshaus „zur Linde“ ein, wo sämtliche Untertanen der Herrschaft versammelt waren. Nach der aufgestellten Liste waren es von Durbach 158, von Nesselried 18, von Illental 7, von Bottenau 21, von Gebirg 28, im ganzen 232.  Ausgeblieben waren 26 und zwar 22 von Durbach (Heimburg), 1 von Bottenau, 1 von Illental, 2 von Gebirg. Von fürstlichen Bediensteten waren anwesend: Amtmann Anton Elogius Schwarz von der Burg Staufenberg, der Schultheiß, Accisor und Zoller von Durbach Joseph Kiefer und der herrschaftliche Küfer Johann Borrho.Zuerst wurde die Vollmacht Baden-Badens durch Sekretär Vogt verlesen, wozu Markgraf August Georg sagte, daß der Erbvertrag zwischen den beiden Häusern Baden erfolgt sei „zum Trost und Beruhigung der beiderseitigen Lande und Untertanen“, ferner, daß die Huldigung und Verpflichtung nach einer neuen Formel auf beide Markgrafen geschehe und daß die Übergabe des Naturalbesitzes der Herrschaft Staufenberg mit allen Leuten, Gütern, Rechten und Gerechtsamen durch Überreichung des Schlüssels zur Burg Staufenberg erfolge unter Vorbehalt der höchsten Regierungsrechte des Baden-Badenschen Hauses.

Markgraf August Georg Simpert             Karl Friedrich von Baden (Baden-Durlach),
(Baden-Baden) *04.1.1706 +21.10.1771         *22.11.1728 + 10.06.1811.
Letzter Markgraf von Baden-Baden            vereinigte die beiden Markgrafschaften.

 

Die Baden-Durlacher Vollmacht verlas Geh. Rat Preuschen und gab den ihm überreichten Schlüssel der Burg Staufenberg sofort wieder dem Baden-Badener Bevollmächtigten Geh.Rat Weißkirch zurück mit dem Bemerken, „dass nun hinfür im gemeinsamen Namen der Besitz der Herrschaft Staufenberg innegehabt werden solle zum Nutzen und Niessen und solchen als Landesfürst zu regieren.“Alsdann schritt man zur Verpflichtung der fürstlichen Diener und zur Huldigung der Untertanen. Die Eidesformeln dazu schrieben vor, „den beiden Fürsten treu, hold, gehorsam und gewärtig zu sein, vor Schaden waren, Nutzen aber fördern und alles das zu tun, was treuen Untertanen gegen ihren Landesfürsten eigne und gebühre.“Nach der feierlichen Abschwörung des Eides, bereitwillig abgelegt von Dienern und Untertanen, war somit der Naturalbesitz der Herrschaft Staufenberg bestätigt. Gegen 2 Uhr wurde der Akt beendigt unter gegenseitigen Glückwünschen der beiden Bevollmächtigten und unter Versicherung aller hergebrachten Rechte, Gerechtsamen und guten Gewohnheiten für die Untertanen. Es folgte das Mittagsmahl; das Nachtlager nahm die Kommission auf dem Schloß, wo am folgenden Morgen, 6. Februar, das Protokoll von den beiden Kaiserl. Notaren abgeschlossen wurde. Hierbei wurde noch bemerkt, dass sich mit den Staufenberger Untertanen auch die Meier, Beständer und Leute des Klosters Allerheiligen, der Freiherren von Zorn-Bulach und Groll, so wie der Freiherren von Ried eingefunden und die Huldigungspflichten abgeleistet hätten. Nur Johannes Schnez, der Müller des Barons von Neveu, und dessen beide Güterbeständer sowie der Rebmann waren aus Versehen nicht vorgeladen worden, ferner hat die Vorladung den fürstl. Jäger Franz Stähle wegen Abwesenheit nicht erreicht, auch der ortenauische Zollbereiter, war nicht erschienen. Sie waren dann inzwischen sämtlich auf den 6. Februar vormittags 9 Uhr bestellt worden. Stähle und Görwiz leistete als fürstl. Diener den eidlichen Handschlag an beide Kommissäre. Dagegen erklärten die von Neveuschen Leute die Eidesleistung nicht schuldig zu sein, weil sie eigentlich nur Knechte wären, welche alle Jahr abgeschafft werden könnten und im Übrigen für ihre Person selbst bereits anderwärts eingebürgert seien. Auf Vorhalt, daß sie gleichwohl, solange sie sich in dieser Herrschaft aufhalten, den Landesfürsten treu und gehorsam zu sein haben, leisteten sie schließlich den Handschlag.Damit war das Huldigungsgeschäft zu Staufenberg erledigt, und die Kommission reiste ab. Die bei dem Haupt-Huldigungsakt am 5. Februar ausgebliebenen 26 Untertanen wurden auf 11. Februar auf das Schloß Staufenberg zitiert und dort nachträglich durch Handschlag von dem Amtmann Schwarz unter Zeugenschaft des Durbacher Schultheißen Joseph Kiefer und des Gerichtszwölfers Jörg Männle vereidigt. Diese Amtshandlungen des Jahres 1765 waren das Vorspiel zur endgültigen Besitzergreifung der Herrschaft Staufenberg und Vereinigung mit der Markgrafschaft Baden-Durlach im Jahr 1771 nach dem Tod des Markgrafen August Georg von Baden-Baden.Auf Schloß Staufenberg traf am 13. Oktober 1771 ein Besatzungs-Kommando von 26 Mann unter dem Grenadier-Leutnant von Adelsheim ein. Wie dieser Marsch vor sich ging, meldet der Leutnant am 14. Oktober seinem Oberst schriftlich: Er stellte hierbei fest, daß es nicht, wie angenommen, von Renchen nach Staufenberg eine Stunde, sondern starke 3 Stunden über Berg und Tal gedauert habe. Der Amtmann auf Schloss Staufenberg öffnete erst, nachdem er den schriftlichen Befehl zur Besetzung gesehen hatte. Nun wurde das „Patent“ des neuen Markgrafen Carl Friedrich am Schloß Staufenberg angeschlagen. In Durbach stellte Leutnant von Adelsheim zunächst 10 Mann, je 5 am Rathaus und an der Kirche, als Posten auf, dann 5 Mann im badischen Teil von Nesselried (Obernesselried mit Illental), weitere 5 Mann hatte er bei sich auf dem Schloß. Von dem Durbacher Posten wurden nachher 2 Mann auf Wunsch des Amtmanns weggenommen zur Verstärkung der Schloßwache auf Staufenberg. Der Staufenberger Amtmann Prinz hatte erst kürzlich seinen Dienst zu Staufenberg angetreten, sein Haushalt daselbst war noch nicht vollständig. In dem Rapport an seinen Oberst zu Karlsruhe am 16. Oktober sagt Leutnant von Adelsheim über die Lebensverhältnisse seines Kommandos auf Schloß Staufenberg:„Die Freigebigkeit der Untertanen kann ich bis dato nicht loben. Sie geben nichts umsonst. Das Schloß ist eine Viertelstunde von dem Ort Durbach abgelegen und zwar einsam auf einem hohen Berg mitten im Wald. Ich habe nicht das Mindeste gefunden, kein Stroh, nicht zu essen, welches wir alle sehr bedürftig waren, keinen Tisch und keine Stube. Der hiesige Amtmann ist erst seit vier Wochen da, und seine Möbel kommen in Zeit von 10 Tagen erst nach. Ich habe einen Wirt aus Durbach kommen lassen und akkordiert, den Leuten zu essen zu geben. Der Mann bezahlt täglich 2 Batzen, ich habe meine Kost bei Herrn Amtmann und hoffe, mit ihm gut auszukommen. Er bezeugt sich wenigstens sehr dienstfreudig gegen uns. Aus dem Herrschaftskeller hat er 5 Maß Wein ohnentgeltlich hergegeben. Meine Briefe nach Carlsruhe und Ratstatt muß ich nach Offenburg auf die Post schicken, welche wöchentlich 3 mal dahin abgeht; wollte ich Boten schicken, so würden die Briefe noch länger aufgehalten werden, ich wähle also lieber die Post. Adelsheim berichtete auch, daß alles sehr teuer sei, das Brot müsse von Offenburg geholt werden, weil das von Durbach nicht zu genießen sei. Als dann am 21. Oktober 1771 der Tod des Markgrafen August Georg von Baden-Baden gemeldet wurde, traten nun die vorläufig schon getroffenen Maßnahmen zur Besitzergreifung des Landes durch das Haus Baden-Durlach in Wirksamkeit. Notar und Advokat Joseph Anton Beek von Rastatt als Kommissär zur Besitzergreifung auf Staufenberg, teilten den Vollzug seines Auftrags mit. Danach brachte er die Besitz-Patente des neuen Markgrafen am 21. Oktober morgens 7 Uhr 45 im Schloß Staufenberg, 8 Uhr 21 zu Nesselried, 9 Uhr 04 in Durbach und in Bottenau am Zollstock bei dem Gabelsteg 10 Uhr 05 an. Als Zeugen fungierten Joseph Kiefer und Franz Joseph Vollmer aus Durbach. Im Vollmersbacher Wald ließ der das Anschlagen des Patents durch den Schuldheiß Beiser und den Gerichtszwölfer Jakob Leible verrichten. Wegen angeblichen Grenzstreitigkeiten in diesem Bereich ließ er nahe beim Kahler Steg ein zweites Patent anheften, welches aber von unbekannter Hand am 24. Oktober abgenommen worden sei. Die Erneuerung des Anschlags habe der dem Amtmann Prinz aufgetragen. Am 23. Oktober „rapportierte“ Leutnant von Adelsheim von Schloß Staufenberg, daß seine Leute wohl seien und  ihre Schuldigkeit tun würden; die Bürgerschaft sei ruhig. Sie ginge ihm gerne an die Hand, wenn nicht die Armut so groß wäre bei ihnen. Die Leute lebten nur vom Weinbau, und dieser habe in diesem Jahr ein schlechtes Ergebnis gehabt, und die übrigen Produkte, die das Land hervorbringe, seien kaum hinlänglich, die eigenen Familien zu ernähren, da bleibe also wenig für die Soldaten übrig. Das Brot sei teuer und schlecht. Ein Mann sei imstand, für 4 Batzen Brot an einem Tag zu essen, ohne daß er satt werde. Er lasse daher meist das Brot von Offenburg oder Straßburg kommen, wo es wohlfeiler und besser zu bekommen sei. Trotz seines Accords mit dem Dorfbäcker werde schlechtes Brot geliefert. Der Sester Grundbirnen müsse mit 5 Batzen bezahlt werden und trotzdem habe er nur 3 Sester bekommen können. Die Armut der Leute sei eben eine so außerordentliche; wiewohl sie emsige und fleißige Arbeiter seien, bezeige sich ihr Erdreich sehr undankbar gegen sie. Die Gegen sei bloß für Waldungen geschaffen, die aber jetzt auch in üblen Umständen dalägen, und die Rebberge, die ihm täglich vor Augen lägen, seien alle kahl. Der Herr General von Ried, welcher in der Nähe vom Schloß ein sehr schönes neu erbautes Haus bewohne, werde morgen in das Ortenauische gehen, um der Huldigung beizuwohnen, wozu er feierlich eingeladen worden sei.

Auszug aus „Die Ortenau“ 53. Jahresband 1973 von Gustav Rommel, Quellen: Akten des Generallandesarchivs Karlsruhe, Herrschaft Staufenberg.

Abt.179 Kurz nach der Besitznahme in der Herrschaft Staufenberg ließ Markgraf Karl Friedrich von Baden das „Fürstliche Bergschloss Stauffenberg“ umfangreich sanieren. Ein schönes Modell nach dem Sanierungsplan aus dem Jahre 1773 wurde von Marius Rappo aus Basel gefertigt und kann im Wein- und Heimatmuseum Durbach bestaunt werden.

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