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V. „IMMERSBACH UND KAPELLECK“

Von Josef Werner

Heimatbeilage 22.10.1982


Kurz vor der Grenze zwischen den ehemaligen Stäben „Heimburg“ und „Gebirg“, ca. 800 m oberhalb des Sägerwerks, führt uns ein befestigter Weg in die Zinken „Immersbach“ und „Kapelleck“.

Eine erste urkundliche Erwähnung dieser beiden Zinken ist nicht festzustellen, doch kann mit Sicherheit angenommen werden, dass bereits vor mehreren Jahrhunderten bewohnte Gehöfte vorhanden waren. Auch heute noch sind im Immersbach nur zwei Anwesen und an der Kapelleck nur ein Hofgut zu verzeichnen.

Das von der Kapelleck herunterfließende muntere Immersbächle gibt wohl dem Zinken seinen Namen, welcher wiederum vom „Bach des Ingmar oder auch des Emeher“ abgeleitet wird. Grüne, mit Obstbäumen bepflanzte Wiesen und Bergäcker umsäumen die Gehöfte und der zunächst sanft ansteigende Weg führt durch das Gewann „Am Neuweg“ und den Staatswald Distrikt „Neuwegwald“ immer steiler den Berg hinauf. Mächtige Fichten stehen an den Hängen, welche fast eine Schlucht bilden. Nach ca. 1.200 m Wegstrecke öffnet sich das Tal wieder und grüne Wiesen und Weideflächen, sowie Ackerland, bieten uns ein Bild wie wir es im Hochschwarzwald nicht schöner finden könnten.

Mitten in einer kleinen Mulde, am Ende des Tales auf ca. 450m Höhe, liegt der Kapelleck-Hof. Der Name des Hofes gibt schon einen Hinweis, dass eine Kapelle bei der Namensgebung für diesen Zinken mitgewirkt hat. Noch heute ist in den amtlichen Lageplänen fast ausschließlich die Gewannbezeichnung mit „Wolfskapelle“ angegeben. Das Gehöft wurde also „an der Ecke der ehem. Wolfskapelle“ oder zumindest in deren Nähe errichtet. Auch in alten Grundbucheinträgen ist das Hofgut nur mit „an der Wolfskapelle gelegen“ bezeichnet.

Bereits am 21. Mai 1809 finden wir im Grundbuch einen Kaufvertrag, in welchem die Hälfte des Anwesens nebst Hofgut veräußert wurde. Kaufgegenstand war: „Eine Behausung samt der darunter befindlichen Scheune und Stallung und Keller an der Wolfskappel gelegen. 2 Jeuch Sommerhalden vornen am Haus, 10 Jeuch vornen und hinten am Haus, 2 Tauen Matten unten am Haus, 1 Haufen Reben mit Krefzen“. Von diesem Gut mussten u.a. 36 Kreuzer Schauenburgischer Bodenzins beigetragen werden. Der Kaufpreis betrug 1133 Gulden. Am 21.8.1822 wurde dieser Anteil bereits wieder im „Ritterwirtshaus“ versteigert um die Summe von 1.535 Gulden. Mehrfach hat das Hofgut den Besitz gewechselt, wobei zu erwähnen ist, dass der Hof von 1871 bis 1908 zum Stammgut des Freiherrn Christian von Berckheim gehörte. Seither ist er im Familienbesitz der heutigen Eigentümer.

Das Anwesen selbst wurde am 14.9.1935 und wiederum am 24.9.1957 ein Raub der Flammen, so dass heute vom ursprünglichen Gehöft kaum noch etwas vorhanden ist.

Auch von der Wolfskapelle sind nur geringe Reste der Grundmauer vohanden, die jedoch ebenfalls stark überwuchert sind. Der Standort der Kapelle war mitten im Wald auf dem Höhenrücken zwischen Kapelleck und dem Oberspring. In dem noch vorhandenen Mörtel wachsen Pflanzen, die sich gegenüber der näheren Umgebung abheben. Die Umrisse des Kirchleins sind dadurch noch gut zu erkennen.

Nach der alten Sage wurde vor langer Zeit eine Edelfrau von Schloss Staufenberg von Wölfen verfolgt. In ihrer Not rettete sie sich auf einen Baum. Nachdem die hungrigen Wölfe nicht weichen wollten, gelobte die Edelfrau an dieser Stelle ein Kapelle zu errichten, wenn sie vor den Wölfen gerettet würde. Tatsächlich entfernten sich die Wölfte und rannten auf die andere Seite des Berges zu einem Gehöft im Ödsbach. Der Hof hatte fortan den Namen “Wolfenhof“. Als die Edelfrau sich zum nächsten Anwesen flüchtete, wurde sie nochmals on den Wölfen verfolgt. Die Bewohner des jetzigen Hofes im Oberspring riefen ihr zu „spring“ und meinten damit, dass sie vor den Wölfen davonspringen soll. Nach der Sage soll dieser Zinken seither den Namen „Spring“ haben.

Die Edelfrau errichtete aus Dankbarkeit für ihre Rettung die beschriebene Kapelle. Die Wolfskapelle wurde auf Grund Verfügung Nr.20996 des Großherzoglichen Oberamts Offenburg vom 4. Oktober 1873 abgebrochen. In der Verfügung heißt es: „daß man vorerst von einer Auflage zur Vornahme von Herstellungsarbeiten an der sog. Wolfskapelle auf dem Waldhof unter der Voraussetzung Umgang nehme, daß der Abbruch derselben bis Martini d.J. erfolgt“. Es ist auch mündlich überliefert, dass die Steine der Kapelle auf einem Hof im Ödsbach als Pflastersteine im Hof verwendet wurden. Da sich das Vieh auf diesen Steinen jedoch ständig verletzte oder gar die Beine brach, wurden diese wieder aus dem Hof entfernt.

Neben den bereits erwähnten Gewannbezeichnungen gehören zu den Zinken Immersbach und Kapelleck die Gewanne „Franzosenloch“ (nicht eingetragen), „Emmersbach“, „Hornbühl“, „Schönwasen“ und „Wolfenkopf“.

Außerdem sind die Bezeichnungen „Messelgehren“, „Mühleckle“ und „Stollenhalde“ noch geläufig. Kartenausschnitt 1858 (Ursprungatlas)

Der Standort der Wolfskapelle ist bei der Karten-Nr.43 mit einem Kreuz eingezeichnet.


Ergänzung 2015:

Einwohnerzahl im Jahr 1982 Immersbach 9 Personen

Kapelleck 6 Personen

In alten Karten und auch in einem Grundbucheintrag /Kaufvertrag vom 21.März 1794 (Band I Nr.127) ist statt der Bezeichnung „Wolfskapelle“ die Bezeichnung „St.Wolfgangskapelle“ zu finden. Nach Ansicht von Bergbauexperten deutet diese alte Bezeichnung auf historischen Bergbau hin. Dies ist durchaus nachzuvollziehen, findet man doch in unmittelbarer Nähe des, d.h. im vorderen Teil des Tales auch die Bezeichnung „Stollenhalde“, welch ebenfalls auf Bergbau hinweist. Der heilige Wolfgang (Bischof um 920 geboren + 994, 1052 Heiligsprechung) ist auch als Schutzheiliger der Berg- und Zimmerleute, der Bildhauer, Schiffer, Köhler, Holzfäller, sowie der unschuldig Gefangenen genannt. Der Name „Wolfgang“ wird überdies auch mit „Wolf/“Gang“ = Der zu den Wölfen (Heiden) geht, beschrieben.

„Wolfskapelle“ und“ St.Wolfgang“ sind also in verschiedener Weise mit diesem sagenumwobenen Ort in Verbindung zu bringen.

In der undatierten Karte über die „Herrschaft Staufenberg“ (um 1780) ist der heutige „Kapelleckhof“ noch nicht zu ersehen. Ein erster schriftlicher Nachweis über diesen Hof findet sich im Grundbuch von Durbach (Band I Nr.356) vom 3.Mai 1809. Michael Huber, Bürger an der Wolfenkapell und seine Ehefrau M.Anna Hoferin mit ihrem verpflichteten Beistand, Josef Hurst, Gerichstmann im oberen Weiler, verkaufen an Lorenz Hofer, Bürger im Gebirg 1. Die Hälfte der Behausung samt darunter befindlichen Scheuer, Stallung und Keller usw. sowie 2. Die Hälfte des zu dieser Behausung gehörigen Gutes … 1822 wird das Gut bei einer Versteigerung für 1535 Gulden an Anton Harter von Ödsbach-Wälden zugeschlagen. 1871 wird der „Waldkapellenhof“ von Freiherr Christian von Berckheim in Karlsruhe von der Ehefrau des Herrn Rechtsanwalts Emil Barbo erworben. (Grundbuch Gebirg Band 1 Nr.50 S.337)

Der Kapelleckhof ist ursprünglich als Teil des „Stabes Gebirg“ ausgewiesen (Plan 1), während Immersbach mit Franzosenloch bis zu den Gewannen Messelgehren und Hesselbacher Allmend dem Stab „Heimburg“ zugehören. Wohl wegen der geologischen Lage und der Wegführung über den Immersbach und Franzosenloch ist der Kapelleckhof in einer späteren Karte mit der Nr.43 dem Stab „Heimburg“ zugeordnet.

Die Bezeichnung „Franzosenloch“ geht wohl auf die Zeit zwischen 1689 und 1704 zurück, als die französische Armee unter General von Melac und Marschall Villeroy das Schloss und die „Herrschaft Staufenberg“ belagerten und verwüsteten. Die Bürger von Durbach flohen ins Gebirg. Nach der Überlieferung sollen die Franzosen im heutigen „Franzosenloch“ eine empfindliche Schlappe durch die „Kaiserlichen Truppen“ erhalten haben.

Die Bezeichnung „Mühleckle“ verweist auf die einst vorhandene Mahlmühle beim ersten Anwesen im „Immersbach“. Der Mühlgraben ist in alten Karten im Bereich von der so genannten „Thaumatte“ bis zum Immersbach entlang der Waldgrenze eingezeichnet.

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