St. Heinrich – der Durbacher Kirchenpatron

 

Bereits im Jahre 1635 berichtet der „Gerichts-Zwölffer“ und „verordnete HayligenPfleger“ Thoman Wörner über die Einnahmen und Ausgaben der St. Heinrichs Pfarrkirchen-Rechnung in der Stauffenberger Herrschaft.
Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges waren im Durbachtal, wie fast in ganz Deutschland, noch immer zu spüren, als sich die kirchlichen Verhältnisse, verbunden mit einem Glaubenswechsel, wieder einmal änderten. Nach langen Verhandlungen kam in einem Vergleich von 1627 und am 5. Juli 1629 schließlich eine Einigung zwischen den beiden markgräflichen Linien (Baden-Durlach = evangelisch / Baden-Baden = katholisch) zustande. Mit der Einsetzung des Markgrafen Wilhelm in das Land seiner Väter trat nun auf kirchlichem Gebiet eine völlige Umgestaltung ein. Den evangelischen Geistlichen wurde in der ganzen Markgrafschaft bereits zum Ende des Jahres 1622 ihre Pfarrdienste gekündigt und gleichzeitig mitgeteilt, dass sie auch das Land zu verlassen hätten.

Das Hauptaltarbild zeigt den Kirchenpatron Hl. Kaiser Heinrich, knieend, vor der Mutter Gottes mit dem Jesuskind, zu seinen Füßen der Bamberger Dom und der Reichsapfel und im Hintergrund Schloss Staufenberg. Das Altarbild wurde 1847 von Sebastian Hamberger gemalt.  

In der Herrschaft Staufenberg war im Jahre 1620 ein kleines evangelisches Gotteshaus errichtet worden, welches jedoch spätestens ab 1635 durch die jetzt katholische Bevölkerung benutzt wurde.  Michael Braun vom Lautenbach hat 1635 25 Gulden zur Aufrichtung eines Cruzifixes in der Kirche vermacht. Auch Adam Weiß vom Hölzlinsberg und der damalige Schultheiß Jacob Bentz vom Wiedergrün vermachten der Kirche jährlich auf den 20ten Tag des Wintermonats jährlich 5 Gulden. Auch Johann Wolff Hornuß, Amtmann auf Schloss Staufenberg spendete den Zinsertrag von 50 Gulden jährlich zu Faßnacht in die Kirche. Eine lange Liste von Einnahmen und Ausgaben hatte der Hayligen-Pfleger zu registrieren. Adam Lamm vermachte den Erlös seiner Reben an die St. Heinrichs-Kirche, welche allerdings „durch daz Kriegsweßen in gänzlich Abgang“ geraten sind.
Anno 1634 stellte Caspar …., Schlosser zu Offenburg einen neuen Schlüssel zur Kirchenthür und auch das Anziehen der Glocken  mit 1 Gulden 6 Schilling und 8 Kreuzer in Rechnung.
Die Bevölkerung war während des langen Krieges ziemlich dezimiert und in die hintersten Täler der Herrschaft geflüchtet. Trotz der Kriegswirren wurden am Palmsonntag 1644 Zweihundert Hostien und am Ostertag nochmals Hundert Hostien benötigt.
Am 16ten August 1648 bestätigte der Amtmann von Schloss Staufenberg, Johann Michael Schärer, genannt Hauser, die langjährige Kirchenrechnung von Thoman (Thomas) Wörner. Ab dieser Zeit beginnen auch die Bemühungen des damaligen Lehensnehmers der Herrschaft Staufenberg, Wilhelm Hermann von Orscelar zu Staufenberg, eine eigenständige Pfarrkirche einzurichten. Dessen langjähriger Amtmann, Carl Grünlinger, schilderte rückblickend die kirchlichen Verhältnisse in der Herrschaft Staufenberg mit folgendem Bericht: ..“bey den vergangenen alten Jahren waren die Unterthanen der Herrschaft Staufenberg in SIEBEN benachbarte Pfarreyen – als GENGENBACH, OFFENBURG, EBERSWEYER, APPENWEYER, NUßBACH, OBERKIRCH und OPPENAU ausgeteilt. Die Unterthanen kamen deswegen wenig oder gar nicht in die Kirch. Kaum einer konnte das Vatter unser betten, und fast wilt gelebt haben.“ 
In seiner Stiftungsurkunde verfügte Wilhelm Hermann von Orscelar unter „zum Achten:“ … „dass am Kirchenfest mit Himmel und Laternen und mehreren Geistlichen unter Beisein der Unterthanen, Mann und Frauen, Jung und Alt, so viel von Hauß abkommen können, beywohnen sollen!“

Das Reliquiar mit den Insignien des Hl. Heinrich und seiner Gemahlin Cunigunde


Weder in der Stiftungsurkunde vom 5. März 1655 noch in vorliegenden Dokumenten ab 1635 ist ein Hinweis darauf zu finden, weshalb der Hl. Kaiser Heinrich der II. als Kirchenpatron gewählt wurde. So sind es wohl lediglich die vielfachen Verbindungen der Herrschaft Staufenberg über das Kloster Gengenbach zum Bistum Bamberg, die Hinweise zur Namensgebung und Findung des Kirchenpatrons geben können. Vielleicht war der Hl. Heinrich auch ein Vorbild für die Familie der von Orscellar und insbesondere den Kirchenstifter Wilhelm Hermann. Der heilige Kaiser Heinrich II. (*6.5.972 +1024) glänzte nicht so sehr durch großartige Waffentaten und politische Herrschergröße, mehr jedoch durch seine Herzensgüte und geläuterte Frömmigkeit. Im Jahre 1013 zog er mit seiner Gemahlin Kunigunde nach Mailand, um den treulosen Aufrührer Harduin zu züchtigen, und dann nach Rom, um aus den Händen des Papstes die Kaiserkrone zu empfangen. In seiner Todesstunde am 14.7.1024 empfahl Kaiser Heinrich die ihm anvertraute Kunigunde als unversehrte Jungfrau zurück. Mit 52 Jahren hauchte er seine „keusche“ Seele aus.  Auch Wilhelm Hermann von Orscelar lebte nach dem Gebot der Keuschheit und Frömmigkeit. Er starb im noch jugendlichen Alter von 38 Jahren am 18. Juni 1666.


Durbach, im Juli 2017 Josef Werner
Unterlagen: Das Leben der Heiligen Gottes, P. Otto Bitschnau, O.S.B. 1881
                  Pfarrkirche „St. Heinrich“ Durbach – Josef Werner 1993

 

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