Die letzten Reben in der Farnhald!


In seinem Buch „Der badische Rebort Durbach“ zeigt Dr.Eugen Weiß eine Landwirtschaftsstatistik aus dem Jahre 1907.

 

Ackerland

ha

Gartenland

ha

Wiesen

ha

Reben

ha

Heimburg (ohne Grundherren u. jurist. Personen)

311,8

9,2

149,1

140,4

Gebirg

 54,3

1,4

 51,7

    3,5

Bottenau

 70,8

5,3

 53,9

  34,8

Von dem Ackerland ist aber bestellt mit:

 

 

Mehl-früchten %

Kar toffeln %

Futter pflanzen %

Gemüse %

Sonst. Acker frucht %

Ackerweide und Runkel %

In Heimburg

49,0

25,9

15,3

2,9

6,2

0,76

Im Gebirg

42,1

26,7

17,0

4,9

3,0

 6,4

In Bottenau

53,2

20,3

17,0

2,3

7,2

--


Nur wenige Rebstöcke stehen „zur Erinnerung“ noch in der einst fast 2 ha großen Weinberglage „Farnhald“.

 

Bei der Statistik aus dem Jahre 1907 hatte der Weinbau im „Stab“ Gebirg bereits einen erheblichen Teil seines ursprünglichen Umfangs eingebüßt. Noch vor der vorletzten Jahrhundertwende gehörte im Stab Gebirg ein Rebfeld fast zu jedem größeren Hofgut. So wurden nach der Statistik von 1907 auf 17 Höfen Reben bewirtschaftet, wobei ein Hof sogar über 70 Ar Reben aufwies. 

Das Gewann Farnhald (oft auch als Farrenhalde bezeichnet) liegt auf einer Höhe von rd. 350 m auf der Westseite des Brandecktales. Gemarkungsmäßig gehörte dieses Gewann einst zur Gemarkung Durbach-Gebirg und bildete gleichzeitig die Grenze zum Stab Durbach-Heimburg. Die ersten Sonnenstrahlen erhält diese Lage bereits wenn die Sonne hinter dem Mooskopf im Osten aufsteigt. Erst am späten Nachmittag, wenn die Sonne gegen Westen wandert, fehlt die für die Reben wichtige Einstrahlung. Die Aufgabe dieser einsamen und einzigartigen Weinberglage liegt deshalb sicherlich nicht an der Qualität dieser Fläche, sondern an der sehr unzugänglichen Lage. Ein steiler, mit modernen Geräten nur schwer zu befahrener Weg vom Brandecktal einerseits, oder ein sehr langer und ebenfalls mühsam zu befahrener Weg über den „Dünberg“ andererseits, haben den bisherigen Bewirtschaftern die Aufgabe des Weinbaus in dieser Lage erleichtert. Wo einst die Reben wuchsen, Kartoffeln gepflanzt, oder auch Obst gepflanzt wurde, da werden heute in verstärktem Umfang bereits Christbäume gepflegt.

 

Als markanter Punkt findet der Wanderer auf dem Scheitelpunkt dieses Gewanns „S. Dünbergers Hütte“ mit dem dort stehenden Gedenkkreuz. Der Hergott ist auf diesem Kreuz nach zwei Seiten gerichtet. Nach der Überlieferung soll der alte „Dünberger“ Franz Laible (geboren 1854) an dieser Stelle seine Braut Theresia Serrer (geboren 1853) vom „Neuen Weg“ = Immersbach, gefunden und ihr die Ehe versprochen haben. Zur Erinnerung und Ehre Gottes errichteten die Eheleute deshalb im Jahre 1882 das Kreuz und auch eine Hütte. Die Hütte steht auf der sogenannten „Schanz“, welche wohl schon in früher Zeit als Wach- und Aussichtspunkt in Richtung des Durbachtales angelegt war. *1)
*1) siehe auch Josef Werner „Das Teufelsloch in Durbach“ – www.museum-durbach.de
Josef Werner, Januar 2017

         

                                                                                                   - z u r ü c k -