Postkutsche um 1860

Vom einstigen „Taschenboten“ und „Bott“, der im weitverzweigten Durbachtal die seltenen Briefe und Mitteilungen zugestellt hat, bis zu den heutigen „Postboten“ und diversen „Paketzustellfirmen“ hat sich sehr viel verändert.
Wer von der „Post“ spricht, der meint nicht nur die Brief- oder Paketzustellung, sondern auch die viele Jahrzehnte dauernde Personenbeförderung durch die Post. Alt-Ritterwirt Wilhelm Brunner hat mir seine Erinnerungen im August 1983 erzählt.


„Die alte Post“, ehem. Anwesen Männle zwischen heutigem Kaufhaus Benetz und Gasth. Ambiente

„Bis 1901 wurde die Post- und Personenbeförderung (Name nicht mehr bekannt) aus Windschläg durchgeführt. Anfang 1900 befand sich das Durbacher „Postamt“ mit dem einzigen Telegraphen im Anwesen Tal Nr.207 – früher Männle Emma (Post-Emma). Das erste private Telefon wurde durch den Ritterwirt Brunner eingerichtet. S‘ Ritterwirts mussten dann sehr oft Telefonanrufe in ganz Durbach ausrichten und auch die Leute kamen in den Ritter zum Telefonieren.  Von 1901 bis um 1921 beförderte Alt-Ritterwirt Wilhelm Brunner (*12.01.1871) mit seinen 2 Postkutschen (Pferdekutschen) sowohl die Brief- und auch die Paketpost mitsamt den Personen. Zwei oder manchmal dreimal täglich wurde nach Windschläg zur Bahnstation gefahren und Personenbeförderung wurde auch nach Offenburg oder Appenweier vorgenommen, sobald zehn Fahrgäste vorhanden waren.

Ritterwirt Brunner mit seinem Postbus um 1935

Ab 1921 beförderte Wilhelm Brunner (*28.9.1904) die Post und Personen im gleichen Umfang wie sein Vater. Nachdem die Post für die Beförderung der Briefe und Pakete im Monat nicht einmal so viel bezahlen wollte wie der Ritterwirt für einen Zentner Heu bezahlen musste, wurde die Briefpost durch Eggs aus Windschläg befördert. Dabei kam es zu Beschwerden wegen der Beförderungsart auf einem alten Wagen. Danach wurde die Postbeförderung wieder durch den Ritterwirt übernommen. Mit der Beschaffung eines Omnibus wurde insbesondere der Personentransport durch den Ritterwirt erheblich verbessert. Alt-Lindenwirt Benz wollte mit seinem Fahrzeug ebenfalls die Beförderung zum Preis von 66,-- RM/Monat übernehmen. Ritterwirt Brunner führte dann den Brieftransport gezwungenermaßen auch zu diesem Preis durch und zwar neben der Personenbeförderung bis im Jahre 1937“.
Wie bedeutend das „Zweigpostamt Durbach“ im Jahr 1956 war, zeigt sich aus dem nachfolgend abgedruckten Zeitungsbericht vom 11. März 1956.
Josef Werner, April 2019

Der Wein- und Kurort Durbach macht sich

Am Dienstag nachmittag gegen 3 Uhr stand auf dem Brückchen des Durbach beim Rathaus eine größere Anzahl von Personen. Sie harrten der einfachen, aber doch stimmungsvollen Eröffnung des Zweigpostamts Durbach.

Das 1956 eingerichtete Postamt gegenüber dem Rathaus

    Zuerst nahm Herr Dr. M a u s   von der Oberpostdirektion Freiburg (Bauverwaltung) das Wort, um über die Notwendigkeiten, die zur Errichtung eines eigenen Postamts in Durbach geführt hatten, zu sprechen und die vorgenommenen Arbeiten im Hause von Frl. Maria Benetz zu erklären. Der bisherige Ladenraum mit dahinterliegender Wohnung ist zu einem Schalterraum mit Paketkammer umgestaltet worden, und in einem Vorraum können sich die Passagiere der Omnibuslinie bis zur Abfahrt aufhalten. Eine Münzfernsprecherstelle ist auch eingebaut. In diesem Zweigpostamt werden alle postalischen Geschäfte ausgeführt, genau wie in den zwei Zweigpostämtern in Offenburg, in Schutterwald und Altenheim. Zwei Beamte und ein Helfer versehen den Dienst. Den Durbacher Handwerksmeistern wurde besondere Anerkennung gezollt.

Poststellenleiter Franz Ziegler mit Briefbott Konrad Näger um 1964

    Die Entwicklung Durbachs als Wein- und Kurort hat diesen Fortschritt gebracht. Herr Oberpostamtmann H ä n e r t  erinnerte daran, wie der Briefträger Lehmann mit seinem Postgespann 1876 von Windschläg nach Ebersweier und Durbach gefahren ist und die Post zu dem Inhaber der Hilfsstelle, dem Uhrmachermeister M ä n n l e , gebracht hat. Später kam ein Omnibus, der auch Personen mitnahm. Das hat Herr Alt-Ritterwirt Brunner eingeführt. Das Wohnhaus Männle ist im Laufe der Jahre jedoch nicht mehr wohnlich genug gewesen und Frau Hättig stellte neue Räumlichkeiten zur Verfügung; die Tochter Emma von Herrn Männle hat Jahrzehnte die Posthilfsstelle geführt. Nunmehr ist Herr Postbetriebsassistent Gießler, dem seine Ernennungsurkunde am gleichen Tage und in der gleichen Stunde von Herrn Oberamtmann Hänert überreicht werden konnte, Leiter des Zweigpostamtes Durbach.
    An der Eröffnung nahm Herr Bürgermeister Glanzmann, die Herren Gemeinderäte, Pfarrer Traber, Handwerker, Postamtmann i.R. Weyher und andere Persönlichkeiten teil. Nach Schluß der Übergabe der Schlüssel an den Leiter des Postamts Gießler entsprachen die Gäste einer Einladung der Postverwaltung durch Herrn Oberamtmann Hänert zu einem „Festtrunk“ und Vesper in der schönen Bauernstube des Gasthauses zum „Bären“, wo man recht gemütlich beieinandersaß.

Des Prinzen fürstliches Trinkgeld

Eine Episode aus der Zeit der einstigen Posthilfsstelle wollen wir doch hier mitteilen, weil sie an eine wirklich „gute“ alte Zeit erinnert. Prinz W i l h e l m , der Vater von Prinz Max und Großvater von Markgraf Berthold, verbrachte eine Erholung auf Schloß Staufenberg. Da bekam er ein Telegramm und der kleine Männlebub, der später Sattlermeister und Vorstand des Männergesangvereins geworden ist, durfte das Telegramm auf Schloß Staufenberg tragen. Er erhielt dafür die fürstliche Belohnung von 20 Mark in Gold, und da er am gleichen Tage noch dreimal mit einer Depesche den Stollenberg hinauf in das Schloß ging, so hatte er den schönen „Taglohn“ von 80 Mark in Gold.
Der Tag hätte auch sonst zum Glück des Buben ausschlagen können; denn Prinz Wilhelm hatte an dem Jungen Gefallen gefunden und wollte ihn mitnehmen in die Hofhaltung Karlsruhe. Aus irgendwelchen Gründen kam das nicht zustande und halb und halb lachend und etwas trübselig in die Vergangenheit schauen, hat uns das der Sängervereinsvorstand Männle einmal erzählt.

Das eingegangene „Bad Staufenberg“

Die Errichtung des Zweigpostamts ist auch mit der Tatsache des Kurplatzes Durbach begründet worden. Beim Umtrunk haben wir an die Durbacher Stahlquelle im Hofgut Wörner (Sendelbach) uns erinnert. Ärzte und Apotheker haben vor einem Jahrhundert darüber vorzügliche Gutachten veröffentlicht, und im Wasser der in Holzdeicheln in das Tal geleiteten Quelle hat man in dem Bahaus des Gasthauses „Bad Staufenberg“ baden können. Dieses Wirtshaus war der heutige „Bären“, der seinen Namen wohl nur daher hatte, daß der Sattlermeister Bär Wirt hier geworden ist und man sagte, man gehe „ins Bäre“. Die Quelle aus dem Sendelbach floß nicht mehr, weil sie zugeschüttet wurde, und das Gasthaus „Bad Staufenberg“ im Durbachtal änderte seinen Namen. Vielleicht aber wird eines Tags Durbach nicht nur Wein- und Luft-, sondern auch wieder Badekurort sein. Denn auf dem Gemarkungsplan ist noch genau eingetragen „S t a h l q u e l l e“. Vom Sendelbach rinnt ein Bächlein noch in den „Bärengarten“, doch das ist nicht oder kaum das Wasser des „Bads“.


Bildunterschriften:
Bild 1)    Postkutsche um 1860
Bild 2)    „Die alte Post“, ehem. Anwesen Männle zwischen heutigem Kaufhaus Benetz und Gasth. Ambiente
Bild 3)    Ritterwirt Brunner mit seinem Postbus um 1935
Bild 4)    Das 1956 eingerichtete Postamt gegenüber dem Rathaus
Bild 5)    Poststellenleiter Franz Ziegler mit Briefbott Konrad Näger um 1964

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