St. Urban – Schutzheiliger der Winzer

                        Das Urbansfest am Urbansberg

 

 

Mit dem „Urbansfest“ des Kirchenchores geht der jährliche große Festreigen im goldenen Weinort Durbach i.d.R. zu Ende. Bei schönem Wetter sind wiederum einige hundert Besucher zu erwarten, die dem Weingott „Bacchus“ mit dem wohl über die Region hinaus einmaligen „Neuen Clevner-Risser“ huldigen.

Der heilige Urban von Langres (geboren in Unter-Colmier/Frankreich und + vermutlich am 23. Januar 375) war im 4. Jahrhundert Bischof von Langres und Autun.

Der Legende nach verbarg er sich vor seinen Verfolgern hinter einem Weinstock. In der christlichen Ikonographie wir er deshalb oft mit einer Weintraube abgebildet.


Gemälde der alten Urbanstatue                     Die Anlage um die Urbanstatue wurde
beim „St. Anton“. Zeichnung von                   2017 von den Winzern neugestaltet.
Dr. Robert Feger.
 (wurde viele Jahre bei der
Fronleichnamsprozession als Altar aufgestellt)

Aus dem gleichen Grund gilt er auch als Schutzpatron der Winzer, obwohl diese Funktion fälschlicherweise auch auf den Heiligen und Papst Urban I übertragen wird. Dessen Gedenktag ist der 25. Mai. In manchen Weinbaugebieten wird am Gedenktag eine Bittprozession abgehalten. Die Berichte über Urban I sind legendär. So wird ihm u.a. die Verordnung zugeschrieben, dass alle heiligen Gefässe nur aus Silber angefertigt werden sollen. Der Urbanstag am 25. Mai fällt in die Zeit der beginnenden Rebenblüte, weshalb die Winzer diesen Heiligen um besonderen Schutz und Segen der Weinberge bitten.
St. Urban gilt als Weinheiliger schlechthin, denn er soll als Wetterheiliger gegen Frost, Hagel und Blitz und alle Unwetter vor allem die Reben und Weinberge schützen und zählt auch als Eisheiliger. Im alten Heiligenkalender begann der Sommer mit St. Urban am 25. Mai. In manchen Gegenden erhielten die Weinbergsknechte am Urbanstag ihren Lohn.
Die früheste Erwähnung eines Urbanifestes findet sich in einer päpstlichen Bulle von 1251 für Neuweiler im Elsass.
Alte Bauernregeln zeigen auch die große Verbundenheit mit St. Urban.
Die Witterung am St. Urban / zeigt des Herbstes Wetter an
Wie’s Wetter am Sankt Urbanstag / so der Herbst wohl werden mag
Wie sich das Wetter auf St. Urban verhält / so ist’s noch 20 Tag‘ bestellt
St. Urban hell und rein / segnet die Fässer ein.
Der bekannte Dichter Ludwig Uhland schreibt: „Und wenn es euch wie mir ergeht, so betet, dass der Wein gerät, ihr Trinker insgemein! O heil’ger Urban, schaff uns Trost, gib heuer uns viel edlen Most, dass wir dich benedeien!“
Der Weinort Durbach hat den heiligen Urban im Jahr 1949 mit einer „Urbanglocke“ geehrt. Es ist die kleinste Glocke mit einem Gewicht von 199 kg und trägt die 

Inschrift:
„Es grüne die Rebe, es wachse der Wein, St. Urban schütz alles und lass es gedeihn“
Die Glocke ruft zum Gebet, sie läutet „zum Ersten“ oder wenn z.Bsp. ein Kind gestorben ist, mit dem Ton „D“ ergänzt sie die Stimme des Kirchenheiligen „St.Heinrich“ und dessen Gemahlin „St. Kunigunde.  Auf der Glocke ist der hl. Urban mit Stab und Papstkrone abgebildet.

St. Urban wird jedoch nicht erst seit 1949 in Durbach verehrt. Unweit der ehemaligen Einsiedlerkapelle „St.Anton“ im „Hardtwald“ stand viele Jahre eine große und schöne Urbanstatue aus Holz. Mit dem im Jahre 1928 von den Durbacher Winzern produzierten Film über den Durbacher Weinbau wurde dieser Statue eine besondere Bedeutung zugemessen. Zu Beginn der Weinlese zog die ganze Winzerschar an der Statue vorbei um den Schutz des Heiligen zu erflehen.  Der 90 Jahre alte Film kann im Wein- und Heimatmuseum angeschaut werden. Es ist wohl ein einmaliges Dokument über den Durbacher Weinbau.
Wenn beim Urbanfest mit einer Andacht an der Urbanstatue dem Schutzeiligen wiederum für den reichen Segen und guten Herbst gedankt wird, dann erinnert man sich auch an die großen Mühen bei der Urbarmachung dieser hervorragenden Weinberglage.


Über dem „Binzenloch“ und „Hilsbach“ stand bis 1967 der „Hardtwald“
Noch bis zum Jahre 1967 bedeckte ein damals lockerer Mischwald aus Eichen, Buchen und Kastanien den heutigen „Urbansberg“. Auf der dem „Binzenloch“ zugewandten Seite klaffte eine große Lücke, in welcher Bergsand und Steine für den Wegebau gebrochen wurden. Auf der Suche nach geeignetem Rebland traten fünf Winzer an den Gemeinderat heran. Die Erinnerungstafel am Bildstock gibt Zeugnis von dieser Urbarmachung, mit der dem ehemaligen, von Ebersweier bis Nussbach reichenden großen „Hardtwald“ ein weiteres Stück entrissen wurde.

Die fünf Winzer,
vorne v.l. Bernhard Danner u. Heinrich Kiefer,
zweite R.: Otto Streif, Franz Glanzmann und Ludwig Kiefer


„WAS HIER SANKT URBAN TREU BEWACHT
ALS DER PATRON DER REBEN,
WARD IN DIE HEUT’GE FORM GEBRACHT
DURCH VIEL FLEISS UND STREBEN.
1965 FINGEN AN
FÜNF WINZER ZU DISKUTIEREN,
ZWEI JAHRE SPÄTER STAND DER PLAN
DEN HANG ZU KULTIVIEREN.
SIE WUSSTEN GLEICH: ES FORDERT VIEL
WAS WIR UNS VORGENOMMEN,
ES WIRD NICHT EINFACH SEIN, DEM ZIEL
VOLLENDET NAHZUKOMMEN.
DREI HEKTAR WALD GALT ES ZU RODEN,
FELS UND STEIN
DES ÖFTEREN EINHALT BOTEN,
BIS 1968 DAS WERK GEDIEHEN WAR.    



                        - Planierraupen und Bagger? Fehlanzeige -
WEIL SEGEN STETS BEGLEITER WAR
DIE ARBEIT GUT GELUNGEN,
DER WINZER FÜNFER-SCHAR
SANKT URBANS STATUE ERRICHTET.
SANKT URBANS NAMEN
TRÄGT NUN DIESER BERG,
VON HERZEN DANK WIR SAGEN
FÜR DIES GELUNGENE WERK.
BERNHARD DANNER
FRANZ GLANZMANN
LUDWIG KIEFER
HEINRICH KIEFER
OTTO STREIF

 


Seit dem Jahr 1970 wird das Urbansfest in Regie des Durbacher Kirchenchors gefeiert. Der Chor begleitet neben der Trachtenkapelle die Andacht und macht die Feier mitten im Weinberg zu einem Erlebnis.
Josef Werner, Ratschreiber i.R.
Oktober 2017
Literaturnachweise: - Die Glocken von St. Heinrich – Josef Werner
                              - Internet – Wikipedia
Bilder:                    4 Gemeindearchiv
                              3 Josef Werner

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