Als es in Durbach plötzlich hell wurde


100 Jahre elektrischer Strom im Durbachtal


Wem denkt es noch, dass man das Licht einfach ausgeblasen hat? Darüber kann die heutige Generation nur noch lachen und sich wundern! Nur eine recht bescheidene Zahl der älteren, bzw. der ältesten Mitbürger, kann sich an die Zeit erinnern, als Kerzenlicht, Öllaternen oder vielleicht auch Karbid-Lampen, das Dunkel der Nacht mit einem schwachen Schimmer erhellten. Der heute 90jährige Josef Seebacher weiß noch zu berichten, dass in seinem Elternhaus im Unterweiler das Kerzenlicht auch in seiner Kindheit noch die wichtigste Lichtquelle war.

Wer heute sein Smartphon als Lichtquelle und moderne Taschenlampe benützt, der denkt kaum daran, dass die heute allgegenwärtige elektrische Energie erst vor 100 Jahren den Weg ins Durbachtal fand. Von nur einzelnen (Wasser)- „Kraftwerken“ zur Erzeugung von elektrischem Strom abgesehen, war man bis zum Jahr 1918 auf ursprüngliche und oft selbst hergestellte Lichtquellen angewiesen. „Licht“ war in alter Zeit ein „Gut“, das man sich nicht unbeschränkt und jederzeit leisten konnte. In alten und historischen Filmen (oder auch im Wein- und Heimatmuseum) bekommt man ihn noch zu sehen; den Kienspan, den unsere Vorfahren bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vielfach als Lichtquelle benutzten. Alte Hof-Übergabeverträge zeigen oft den recht hohen Bestand an Kienspan-Wellen, die für das notwendige Licht, hauptsächlich in der Winterzeit, unabdingbar waren. In seinen Memoiren und Erinnerungen an die Jugendzeit schilderte der alte „Stabhalter“ Andreas Kuderer vom Ritterbauernhof die Abende in der Winterzeit. „Ich, Andreas Kuderer, geb. am 30.11.1854, (+01.07.1942) war der älteste Sohn, deshalb mußte ich schon frühe mitarbeiten. Da in meiner Jugend noch Buchenspäne zu Licht in den Stuben gebrannt wurden, mußte ich in den ersten Schuljahren der Mutter und Mägden beim Spinnen zünden, d.h. 1 m langer Span an einem Ende anzünden und in der Mitte in eine Klammer stecken, auf den Lichtstock, welcher neben dem Tische auf einer Steinplatte stand. Es wurde des Winters über jeden Werktag Abend bis 11 Uhr gesponnen, wobei ich den Span in der Klammer immer wieder vorstecken mußte, wenn der Span bis an die Klammer abgebrannt war. Diese Arbeit war nicht schwer, aber der Schlaf übernahm mich so, daß das Licht oft löschte und ich rauhe Worte, oder auch eine Ohrfeige erhielt. Diese Späne wurden alle 2 – 3 Jahre aus Buchenbrettern gehobelt, wo der Vater und 2 Knechte den Hobel über das eingespannte Brett zogen, wobei ich den Span fangen mußte, denn sobald der Span aus dem Hobel herausschaute, mußte ich denselben anfassen und in den Arm legen und nachher auf den Stubenboden in langen Streifen. Nachher wurden dieselben hinten und vorn mit Stroh gestreckt auf Wellen gebunden und an luftigem Platz aufbewahrt, wo immer eine Welle vorrätig auf dem Ofenstängle liegen mußte, zum Dörren.

„Licht“ war in alter Zeit ein „Gut“, das man sich nicht unbeschränkt und jederzeit leisten konnte. In alten und historischen Filmen (oder auch im Wein- und Heimatmuseum) bekommt man ihn noch zu sehen; den Kienspan, den unsere Vorfahren bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vielfach als Lichtquelle benutzten. Alte Hof-Übergabeverträge zeigen oft den recht hohen Bestand an Kienspan-Wellen, die für das notwendige Licht, hauptsächlich in der Winterzeit, unabdingbar waren. In seinen Memoiren und Erinnerungen an die Jugendzeit schilderte der alte „Stabhalter“ Andreas Kuderer vom Ritterbauernhof die Abende in der Winterzeit. „Ich, Andreas Kuderer, geb. am 30.11.1854, (+01.07.1942) war der älteste Sohn, deshalb mußte ich schon frühe mitarbeiten. Da in meiner Jugend noch Buchenspäne zu Licht in den Stuben gebrannt wurden, mußte ich in den ersten Schuljahren der Mutter und Mägden beim Spinnen zünden, d.h. 1 m langer Span an einem Ende anzünden und in der Mitte in eine Klammer stecken, auf den Lichtstock, welcher neben dem Tische auf einer Steinplatte stand. Es wurde des Winters über jeden Werktag Abend bis 11 Uhr gesponnen, wobei ich den Span in der Klammer immer wieder vorstecken mußte, wenn der Span bis an die Klammer abgebrannt war. Diese Arbeit war nicht schwer, aber der Schlaf übernahm mich so, daß das Licht oft löschte und ich rauhe Worte, oder auch eine Ohrfeige erhielt. Diese Späne wurden alle 2 – 3 Jahre aus Buchenbrettern gehobelt, wo der Vater und 2 Knechte den Hobel über das eingespannte Brett zogen, wobei ich den Span fangen mußte, denn sobald der Span aus dem Hobel herausschaute, mußte ich denselben anfassen und in den Arm legen und nachher auf den Stubenboden in langen Streifen. Nachher wurden dieselben hinten und vorn mit Stroh gestreckt auf Wellen gebunden und an luftigem Platz aufbewahrt, wo immer eine Welle vorrätig auf dem Ofenstängle liegen mußte, zum Dörren.

 

In Scheuer, Küche, Stallung und Kammern wurden Rapsöl-Lampen gebrannt in Laternen.“ Rapsöl oder auch Leinöl konnte man beim Ölmüller im Unterweiler beziehen. An die alte Ölmühle erinnert heute noch ein vor dem Anwesen aufgestellter schöner Mühlstein. Auch die Weinberglage „Ölberg“ hat ihren Namen von der ehemaligen Ölmühle. Viele Geschichten wurden an den langen Abenden erzählt, und die Erinnerungen an alte Zeiten weitergegeben. Es ist auch nicht verwunderlich, dass bei dem Kienspan ein Hof schnell mal „in hellen Flammen“ stand.


Wer Bienen auf seinem Hof hatte, der konnte mit dem wertvollen Wachs auch eigene Kerzen herstellen. Licht in Form von Kerzen musste die Gemeinde auch liefern, als eine kaiserliche Reiterordonanz vom 5. Juli 1799 bis 18. September 1799 bei Ritterwirt Danner Quartier bezogen hatte. Jede Nacht wurden 2 Lichter verbraucht, was sich in der Gemeindekasse mit insgesamt 6 Gulden Kosten niederschlug. Ebenso musste für einen Hauptmann der kaiserlichen Truppen 27 Nächte Licht organisiert werden, was mit 1 Gulden 4 ½ Kreuzer berechnet wurde.


Neben diesen „Lichtquellen“ wurden Ende des 19 Jhd. vielfach auch „Karbidlampen“ betrieben. Insbesondere in den alten Bergwerksgruben war dieses Licht praktisch, weil es wenig, bzw. keinen Rauch abgab und relativ hell war.




Eine „moderne Zeit“ begann, so erinnerte sich die Tochter des ehemaligen Durbacher Bürgermeisters Johann Nepomuk Reichert, als der Vater um das Jahr 1870 eine Erdöllampe beschaffte. Plötzlich hatte man taghelles Licht! Diese Erdöllampen waren dann bis zum Einzug der Elektrizität im Jahre 1918 die wohl meistverwendete Lichtquelle.


Am 18. Juli 1918 beschloss der „Bürgerausschuss“ von Durbach die Errichtung der Elektrizitätsversorgung. Zu diesem Zweck wurde mit der Stadt Offenburg ein Stromlieferungsvertrag abgeschlossen. Zur Finanzierung des Stromnetzes und der weiter erforderlichen Anlagen wurde ein Darlehen von 240.000 Mark bei der Sparkasse aufgenommen. Mit der Ausführung der Arbeiten wurde die Firma Brown, Boverie u. Co. in Karlsruhe beauftragt. Die Auftragssumme belief sich auf 177.860 Mark. Zunächst wurde das Leitungsnetz von der Gemeinde in eigener Regie betrieben. Die Anfangsjahre mit den noch recht einfachen Holzmasten, kaum isolierten Stromleitungen und Isolatoren brachten einen relativ hohen Unterhaltungsaufwand. Franz Bachroth, Elektrisches Installations-Geschäft in Durbach, betreute das Stromnetz in Durbach. Kaufmann Emil Benetz, gleichzeitig Gemeinderechner, war der erste „Lichtrechner“. Er führte auch die ersten Stromabrechnungen durch. Stromzähler wurden von der Fa. ISARIA-Zählerwerke AG, Aachen, erworben. Nach einem Kurzschluss musste 1919 das Leitungsnetz im Hespengrund und im Unterweiler umfangreich erneuert werden. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 703 Mark. Am 24. Juni 1920 wurde der Lichtmeister Franz Bachroth als Rechner der „elektrischen Kasse“ ernannt.
Die Stromversorgung litt in den Anfangsjahren noch unter diversen „Kinderschuhkrankheiten“. So beschwerten sich einige Bürger oft darüber, dass wegen den Eisendrähten viel Strom auf dem Weg verloren gehe. Die Umrüstung auf Kupferleitungen konnte wegen den Kosten jedoch erst in den 1930er Jahren und teilweise sogar erst Anfang der 1950er Jahre erfolgen. Die einfachen Holzmasten und Sicherungen hielten darüber hinaus den Witterungseinflüssen, insbesondere in den bewaldeten Seitentälern, nicht immer Stand. Längere Stromausfälle waren fast an der Tagesordnung. Im Dezember 1920 teilte die Direktion der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Offenburg mit: „Infolge der lang anhaltenden Kälte ist eine außerordentlich einschneidende Wasserklemme eingetreten, welche das Murgkraftwerk vollständig außer Betrieb setzt. Da gleichzeitig von den verschiedenen an das Landesleitungsnetz angeschlossenen Großdampfwerken einige ausgefallen sind, ist die Stromknappheit eine sehr brennende geworden im ganzen Lande.
Es wird deshalb ersucht, den monatlichen Stromverbrauch auf 50 % des gesamten Oktoberbedarfes zu verringern.
Der Betrieb von Elektromotoren ist nur in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags gestattet.
Die Gemeinde ist aufgefordert bekannt zu geben, dass in den nächsten 14 Tagen Motore nur benützt werden sollen, wenn es unumgänglich notwendig ist, und weiter zu verbieten, dass Motoren nach der Zeit nachmittags 4 Uhr noch benützt werden.“
Welche fundamentalen Auswirkungen der elektrische Strom vor 100 Jahren in das Tal brachte, kann vielleicht mit wenigen Beispielen deutlich gemacht werden.
Auf Schloss Staufenberg war seit Errichtung der Burg (um 1070) der heute noch vorhandene und rd. 48 m tiefe Schlossbrunnen die einzige Wasserversorgung. In einem großen Holzrad musste zumeist eine Person das Rad in Bewegung setzen und das Trinkwasser über eine Welle mit Seil und Schöpfkübel nach oben ziehen. Markgraf Max von Baden (*1867 +1929) nutzte die Stromversorgung umgehend um das herrschaftliche Schloss mit einer modernen Wasserpumpe auszurüsten. Unterhalb des „Klingelbergs“ wurden zwei ergiebige Quellen gefasst und zu einem kleinen, neu erbauten Häusle geleitet. Dort wurde die „doppelwirkende Plungerpumpe“ installiert und transportierte bis Mitte der 1950er Jahre das Trinkwasser bei einem Höhenunterschied von rd. 40 Metern in einen eigens hierzu erbauten Behälter im Schlosskeller. Heute ist diese von der Fa. Bopp & Reuther in Mannheim hergestellte Wasserpumpe als technisches Wunderwerk im Wein- und Heimatmuseum zu bewundern.
Am Dünberger-Hof wurde einst eine Mahlmühle über ein Wasserrad betrieben. Nur im nassen Frühjahr oder Spätjahr gab es genügend Wasser um die Mühle zu betreiben. Der „Dünberger“ schenkte im Jahr 1922 die Mühle seiner nur wenige Meter unterhalb in der Talsohle wohnenden Tochter Maria Viktoria Wörner geb. Laible. Mit dem elektrischen Strom gab es plötzlich die Möglichkeit, die Mühle über einen Motor in Bewegung zu setzen. Viele Jahre diente das Mahlwerk zur Versorgung des Hofes mit Mehl und zuletzt zur Herstellung von Schrot für das Vieh. Mit viel Liebe und Unterstützung durch einen Mühlenbaumeister wurde das Schmuckstück restauriert und erfreut nun seit August 2012 die Museumsbesucher im Wein- und Heimatmuseum mit ihrem Geklapper.
In den örtlichen Handwerksbetrieben oder der Landwirtschaft gab es bis 1918 so gut wie keine Maschinen. Wo es möglich war, wurden Geräte, wie z.Bsp. Rübenmühlen oder auch Pumpen, über ein Wasserrad, Transmissionsräder und Riemen angetrieben. Vereinzelt wurden Maschinen, wie z.Bsp. die Dreschmaschine, auch mit einem Lokomobil über Dampfkraft in Bewegung gesetzt. Der „Drescher“ Raimund Benz beschwerte sich 1928, weil der Strompreis für seinen 10 PS-Motor zu hoch sei, die Drescherei könne so nicht rentabel arbeiten, weshalb er, wenn möglich, sein Lokomobil einsetzen wolle.
Ach der kath. Stiftungsrat beschwerte sich, weil der Lichtmeister für das „Ewige Licht“ in der Kirche pauschal 9 Kilowatt pro Monat berechnen wolle. Diese Kosten könne man wegen der finanziellen Lage nicht tragen. Der Gemeinderat wurde deshalb um eine Halbierung des Strompreises gebeten. Diesem Antrag wurde offensichtlich nicht entsprochen und man verwendete weiterhin Öl.
1931 wurde das Stromnetz von der Gemeinde Durbach an die EW-Mittelbaden AG verkauft und vom Erlös Aktien des EW erworben.
1956 teilt die Gemeindeverwaltung mit: „Die Zinken Bechtolsberg und Hermannswald sind bis heute noch ohne jede Stromversorgung.“
Als einer der wohl letzten Höfe wurde der Hermannswälder Hof in Durbach-Gebirg  im Jahre 1959 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.
Im Zeitalter von LED-Licht, Lichtschranken, digitaler Technik und Smartphon, ist ein heimeliges und wärmendes Kerzenlicht fast nur noch Romantik. Doch wenn der Strom einmal ausfällt, dann ………. ?
Durbach, im Juli 2018
Josef Werner
Literaturnachweise:
Gemeindearchiv Durbach IV.3/66. 1. Heft
Erinnerungen des Stabhalters Andreas Kuderer (Handschrift)
Erinnerungen an Bürgermeister Johann Nepomuk Reichert (Handschrift)

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