Schloss Staufenberg wie es sich uns heute präsentiert

 

Eine rund 1000 jährige Baugeschichte, mit vielen Höhepunkten und Niedergängen, prägen die Gestalt der einstigen Ritterburg.

Das ehrwürdige Gemäuer ist von den ersten Frühlingstagen bis in den späten Herbst hinein Anziehungspunkt für viele Besucher, die Romantik, eine herrliche Landschaft, aber auch einen hervorragenden Wein suchen. Neuerdings wird bereits auf der Autobahn A 5 auf Schloss Staufenberg als lohnenswertes Ziel hingewiesen.

Trotz mehrfacher Beschädigung oder gar Zerstörung im Verlaufe der letzten 10 Jahrhunderte war die Burg immer bewohnt. Schauen wir „das herrschaftliche Schloss Staufenberg“ in einem kleinen Rundgang einmal an, so wie es sich uns heute präsentiert.

Nach allen Seiten freie Sicht, das war wohl für die Erbauer von Schloss Staufenberg einer der wichtigsten Gesichtspunkte, um auf dem 383 m hohen herrlichen Berg den Platz für eine Festung  zu wählen.

Wer heute von der Aussichtsplattform auf dem Eingangsturm einen Rundblick macht, der erkennt die einmalige Lage und kann verstehen, weshalb von diesem Berg aus die umliegenden Täler bis hinaus in die Rheinebene bestens überwacht werden konnten. Der steil ansteigende kegelförmige Hügel erlaubte es, mit einer relativ geringen Ringmauer ausreichenden Schutz für die auf der Bergkuppe errichteten Gebäude zu bieten.

Im „historisch-statistisch-topographischen Lexicon von dem Großherzogthum Baden“ von J Kolb 1816, heißt es: „Das Schloß ist noch wohl gebauet, mit starken Mauern umgeben, und enthält 1 Kirche, 2 herrschaftliche und 15 Privathäuser, auch ist hier ein sehr tiefer Brunnen"

Die Burganlage und Zahl der Gebäude innerhalb des Burgareals hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Nur wenige Gebäudeteile, wie sie die alten Staufenberger Familien bewohnten, sind uns bis heute erhalten geblieben. Im folgenden „Rundgang“ soll versucht werden, das heutige Bild der Burganlage für den Besucher zu erläutern.

Die Tour beginnt

Von der Festung zum Schloss

Beginnen wir mit der Gesamtanlage von Schloss Staufenberg im unteren Burghof. Um 1870 wurde beim „Eselsgarten“ ein einfaches Ökonomiegebäude (A) errichtet. Ihm gegenüber liegt ein um 1867 errichtetes zweigeschossiges Ökonomiegebäude (B), das vor einigen Jahrzehnten teilweise zu Wohnungen (C) für die Arbeiter des Weinguts umgebaut wurde. Das angrenzende, direkt am Burgzugang gelegene ehemalige Verwalterhaus (D) zeigt an der Südseite die Jahreszahl 1562. Es ist ein Backsteinbau im so genannten Jugendstil mit schön betonten Giebeln und Ecken. Die mächtigen Grundmauern beherbergen einen großen Keller, in dem heute eine moderne Brennküche eingerichtet ist. Die Kellerdecke ist noch als sogenannte Kappendecke im Stil der Jahrhundertwende um 1900 ausgeführt. Das über dem Keller liegende eingeschossige Wohngebäude wurde um 1870 neu erbaut. Direkt unterhalb des Firsts an der Nordseite finden wir eine Feuersirene, die vermutlich um 1930 errichtet wurde.

Am Fuß des vorspringenden alten Gefängnisturms steht heute noch ein kleiner Rest der einst mächtigen Gerichtslinde. Bis zum Jahre 1511 wurde unter der Linde zu Gericht gesessen. Schultheiss und Gerichtszwölfer urteilten nach freiem kaiserlichem Recht über Mein und Dein, über Hals, Haar und Hand, ohne dass die Gemeiner von Staufenberg das Gericht verbieten konnten. Nach 1511 wurde das Gericht in das damalige am Platz des jetzigen Verwalterhauses stehende Gebäude verlagert. Aus dem Stumpf der alten Linde sprießt heute ein junger Lindenbaum.

An der Ostseite der Burg, etwa 20 m tiefer, steht das aus einfachen Bruchsteinen errichtete Trotthaus (E). Von ihm hinab zieht sich der Duppelsberg, dessen Namen sich von „Dupin“ ableitet. Es ist wohl eine der besten Staufenberger Reblagen und bildete bis um 1840 einen eigenen Rebhof. Vom Trotthaus wird der Traubensaft direkt in den höher gelegenen Keller der Burg gepumpt.

Ein steil ansteigender, mit einer Bruchsteinmauer und neuerdings mit Reben abgegrenzte Burgweg, führt vom unteren Burghof an der Nord-Ost-Seite zum Eingangstor.

Der Turm als Schutzschild

Es fällt uns gleich zu Beginn des Weges der über die Ringmauer hinausstehende, dreieckige, in spitzer Form nach NW gerichtete mächtige Flankierungsturm (F) auf. Im unteren Teil ist dieser mit großen Bruchsteinen und Sandsteinquadern befestigt. Die Eckquader sind glatt aufeinandergesetzt und bieten dadurch kaum eine Angriffsfläche. Teilweise sind Buckelquader festzustellen, die wohl von älteren Bauteilen übernommen wurden. Im Turm war ursprünglich das Burgverlies untergebracht. Ein Zugang zu diesem Raum ist heute nicht mehr vorhanden. Zwei in Form von Schießscharten ausgebildete kleine Öffnungen gegen Norden und NO, auf etwa halber Höhe des Turmes, bieten die einzige Möglichkeit in das Innere zu gelangen. Ebenso schwer und nur über eine in ca. 2m Höhe gelegene Öffnung zugänglich, ist der wohl als Wachraum genutzte Raum hinter dem teilweise mit Bauschutt verfüllten Turm.

Sitz des Amtmanns – das Junkerhaus

Eine im Bruchsteinmauerwerk von innen noch zu erkennende alte Öffnung bildete vermutlich den Zugang zu  einem angrenzenden Keller mit schönem Tonnengewölbe, der wiederum über eine breite und hohe Sandsteintreppe vom oberen Schlosshof zu erreichen ist. Der Keller wurde um 1675 für den Besoldungswein des Staufenberger Amtmannes eingerichtet. Gleichzeitig wurde der damals noch vorhandene baufällige Eckturm Richtung Norden abgebrochen. 1)

Um 1832 wurde dieser Bereich wiederum umgebaut. Heute finden wir hier das Büro des Weinguts sowie die von der markgräflichen Familie benutzte Wohnung. Nach Osten sind in dem Gebäude auch noch WC-Anlagen für die Weinstube untergebracht. Zwischen den Fenstern des DG sind nach NO und N insgesamt 3 kugelförmige Sandsteine eingemauert. Man findet diese Kugelsteine, aus Sandstein oder Granit gehauen,  vielfach um Schloss Staufenberg. Sie wurden vermutlich bei der Belagerung der Burg um 1350, beim Aufkommen des Schießpulvers, als Geschosse in den Mörsern verwendet. Die eingemauerten Kugeln werden auch als „apotropäische“ Steinkugeln bezeichnet, die feindabwehrende Wirkung haben sollen.

An der nach Norden gerichteten Spitze des Turmes ist das Mauerwerk außerordentlich verstärkt und dürfte eine Stärke von annähernd 3 m haben. Es ist anzunehmen, dass dieser mehrfach veränderte Turm zur Bergseite hin (Richtung Stollenwald), welche gleichzeitig auch die Angriffsseite war, nach der Zerstörung der Burg im Jahre 1329 errichtet wurde. An den Turm schloss sich in älterer Zeit gegen Süden vermutlich eine Schildmauer an, von der wir heute jedoch nichts mehr vorfinden.

Einst Gefängnis für die Herrschaft Staufenberg

Im Turm selbst befand sich bis zum Jahre 1823 das Gefängnis der ehemaligen „Herrschaft Staufenberg“. Die Eisentür, ein alter Ofen und sonstige Gegenstände wurden dann ins neue Gefängnis im Rat- und Schulhaus neben der Kirche, heute Pfarrheim „St. Kunigunde“ verbracht. Bei früheren Bauarbeiten wurde der Turm im EG um ca. 3m mit Schutt angefüllt. Mächtige Eichenbalken und teilweise schöne Stempel tragen die Zwischendecke und stützen den im DG liegenden Dielenboden der Wohnung.

Sehr schön ist seit kurzer Zeit auch die westliche Umfassungsmauer (G) der Burg zu sehen. Was von großer Entfernung aus betrachtet als grobes Mauerwerk anzusehen ist, stellt sich bei näherer Betrachtung als baugeschichtlich sehr interessantes Gemäuer dar. Etwa auf Höhe der ehem. St. Georgs-Kapelle finden wir noch eine alte Fensteröffnung, die uns leider nur ca. 1m Einsicht in den dahinter liegenden Schutt der 1832 abgebrochenen Gebäude gibt. Weiter nach Süden sind in der Umfassungsmauer auch mehrfach schön behauene Rinnensteine zu sehen, die der Entwässerung des oberen Schlosshofes dienten. Ebenso zwei weit aus dem Mauerwerk herausragende, wohl aus der Renaissancezeit stammende Sandsteine. Mitten in der Westmauer verborgen ist schließlich ein großer Sandstein mit einer in alter Form eingehauenen Jahreszahl (vermutlich 14...7. Die Gesamtansicht der vom Torturm bis zum ehemaligen Junkerhaus an der West, -bzw. NW-Seite führenden Ringmauer, zeigt nach neuerlicher Freilegung von Gebüsch die verschiedenen Bauepochen und hauptsächlich die Sanierungen von 1773 nebst Ausbesserungen nach Abbruch verschiedener Gebäude zwischen 1832 und 1840.

Paradies für Weinfreunde – der Weinkeller

Dem Burgweg folgend sehen wir an der nach Osten gerichteten hohen Ringmauer ein großes Kellertor (H) mit schön behauenem Sandsteingewände. Die Jahreszahl 1686 gibt uns Aufschluss über die Entstehung des Gebäudes. Dem kundigen Betrachter fällt jedoch sofort auf, dass dieses Tor, im Hinblick auf den ursprünglichen Verteidigungszweck der Ringmauer, keinesfalls an dieser Stelle richtig platziert ist. Tatsächlich wurde dieser schöne Kellerbogen im Jahre 1963 im Zusammenhang mit Umbauarbeiten im Kellergebäude von der Nordseite hierher verlegt.

Bereits auf dem Zugangsweg beeindruckt die herrliche Aussicht. Eine vermutlich schon bei der Sanierung des Schlosses um 1773 erbaute steile Sandsteintreppe führt vor dem Tordurchgang in den ca. 5m tiefer gelegenen Schlossgarten mit einem kleinen Gewächshäuschen (I).

Der Zwinger

Der Sanierungsplan von 1773 zeigt diese Treppe in den Zwinger (J) an der NW-Seite des Torturmes. Unzweifelhaft wurde diese aber, wohl aus praktischen Gründen, bereits damals an der heutigen Stelle errichtet. Der einstige „Zwinger“ ist an der Nordseite mit einer Bruchsteinmauer und einem einfachen Holztor begrenzt und gegen Süden teilweise mit Reben bepflanzt. Die Zwingermauern mit einem halbrunden Vorbau sind teilweise stark eingefallen. Sie dürften mehrfache Veränderungen erfahren haben, wobei ihre Entstehung vermutlich auf das 14 Jahrhundert zurückreicht. An diese Zwingermauern schlossen sich in alter Zeit nach SO wie nach Norden weitere Schutzmauern an, von welchen heute jedoch keine Spuren mehr vorhanden sind. Von hier aus sehen wir auch den eindrucksvollen Torbau mit dem zugemauerten ursprünglichen Hauptzugang der Burg. Zwei Konsolensteine lassen die Aufleger für die Zugbrücke, und im Rundbogengewände aus rotem Sandstein die ehemaligen Kettenführungen erkennen. Die Zugbrücke stellte zur mittelalterlichen Burg vermutlich den einzigen Zugang dar. Zumindest der untere Teil des Eingangturmes (K) dürfte zu den ältesten noch erhaltenen Bauteilen aus dem 13 Jhd. gehören. Spuren einer alten Treppe sind im Innenraum des Turmes noch zu erkennen. Insbesondere dieser ursprüngliche Burgzugang gibt uns auch Aufschluss über das Höhenniveau der bis um 1832 vorhandenen Räumlichkeiten und Gebäude an der Westseite der Burganlage. Hinter der an den Torturm anschließenden Stützmauer liegen Mauerreste und Schutt ehemaliger darüber stehender alter Gebäudeteile.

Das Burgtor

Das rundbogige Eingangstor (L) ist mit einem schönen badischen Wappen mit Helmzier geschnitzt. In den Sandsteinrundbögen  kann man noch ältere Verriegelungsspuren entdecken. Das Eingangstor dürfte weitgehend dem 19 Jhd. entstammen, wenngleich die Sandsteinrundbögen aus älterer Zeit herrühren. Versteckt hinter dem Eingangstor ist auf der rechten Seite des Tordurchgangs auch das Wappen der „von Ratshamhausen“4.) zu finden. Melchior Wiedergrün von Staufenbergs zweite Frau stammte aus diesem alten adeligen Geschlecht, weshalb dieses Wappen wohl auf der Burg, wie auch an der ehemals im herrschaftlichen Besitz gewesenen sogenannten „Herrenmühle“ in Durbach seinen Platz gefunden hat.  Im Ziegelmauerwerk auf der Hofseite des Torbaues entdecken wir das Allianzwappen der Pfau von Rüppur (Riedpur) und Bock von Staufenberg, das aus dem Ende des 15. Jhdts. stammt und hier eingesetzt wurde. Bevor wir jedoch den mit Backsteinen errichteten Torbogenbau durchschreiten, dessen Entstehung in das 19 Jhd zurückgeht, werfen wir einen Blick in den Raum unter dem Torturm. Eine einfache Bodenluke ist der einzige Zugang in den alten, etwa 3m tiefer liegenden Eingangsbereich hinter der Zugbrücke. Große Quadersteine, vermischt mit Backsteinen, kennzeichnen dieses Gebäude. Wenn man den großen Höhenunterschied von der Zugbrückenauflage bis zum jetzigen Eingangsweg betrachtet, so muss man feststellen, dass der vielfach erwähnte Einsturz des alten Kellergebäudes vom Jahre 1663 hier seine Spuren hinterlassen hat. Der Schutt wurde wohl nur teilweise abgetragen und der Zugang zur Burg ab dieser Zeit vom ehem. Zwinger auf die NO-Seite der Burg verlegt.

Mit dem Durchschreiten des Torbaues kommen wir in den eigentlichen Schlosshof. Gleich rechts neben dem Tor wurde im Jahre 1963 der Kellerbau (M) mit Sandstein ausgeführt. Zwei große, vermutlich aus der alten St. Georgs-Kapelle stammende Wappensteine sind hier in die Wand eingemauert. Das rechte Wappen zeigt das Staufenberger Wahrzeichen, den Kelch oder auch Stauf genannt, über einem Dreiberg schwebend, darüber zwei sogenannte „Patenen“, die auch als Bauklammern (Befestigungs- und Verbindungsklammern bei älteren Gebäuden) angesehen werden können. Die Helmzier ist als Frauenrumpf ausgeführt, dessen röhrenartige Arme nach oben zeigen. Diesen Rumpf schmückt das Staufenberger Wappen nochmals in verkleinerter Form. Die Form des Wappens wird auch in Verbindung gebracht mit der alten Melusinensage von Schloss Staufenberg, über welche jedoch an anderer Stelle berichtet wird. Der linke Wappenstein zeigt eine Wappenscheibe mit Querbalken und einem darüber stehenden Greisenhaupt auf dem Helm. Dr. Josef Bader beschreibt dieses als das Wappen der von Utenheim. Demnach handelt es sich um den Grabstein der Anna von Utenheim, einer geborenen von Staufenberg, die um 1324 lebte und eine Tochter des Egenolf von Staufenberg war. Egenolf wird auch die weithin bekannte Melusinensage von Schloss Staufenberg zugeschrieben.

Schatzkammer des Weinguts

Die Herkunft und Bedeutung eines ebenfalls beim Kellereingang eingemauerten Sandsteins mit einem sogenannten Malteserkreuz ist unklar. Im Eingangsbereich des Kellers ist jetzt eine kleine Weinprobierstube und der  Verkaufsraum untergebracht. In den Keller mit Tonnengewölbe wurde 1963 eine Zwischendecke eingezogen sowie verschiedene weitere Umbaumaßnahmen vorgenommen um den Anforderungen der Kellerwirtschaft gerecht zu werden. Im ursprünglichen Zustand befinden sich noch die an der Ostseite des Kellers gelegene Sandstein-Wendeltreppe. Sie führt in die im DG liegende Weinstube. Ein zur Hofseite hin liegender kleiner Kellerraum mit gut erhaltenem Tonnengewölbe. beherbergt die „Schatzkammer“ des Schlossweingutes. Von der unteren Ebene des Kellers können wir auch einen Blick in den Schlossbrunnen werfen. Der Wasserspiegel des Brunnens liegt 5 m unter dem Brunnenschacht im Brunnenhaus. Eine Guss-Pumpe aus dem Zeitraum um 1890 zeigt uns noch die ursprüngliche Funktion des Brunnens.

Der Blick ins Paradies ….

Der wohl begehrteste Fußweg auf Schloss Staufenberg führt heute zwischen Kellereingang und Brunnenhaus auf die Terrasse (M) und die Aussichtsplattform auf dem Turm. Die überwältigende Aussicht lässt den Besucher die Faszination einer Landschaft verspüren, die bereits die Staufenberger Ritter vor rd. 1000 Jahren zu genießen wussten. Mag die Landschaft sich in 1000 Jahren auch verändert haben, die Staufenberger  wussten diese unvergleichliche Schönheit wie die heutigen Besucher zu schätzen. Der Stauf (Kelch) war das Zeichen, das diese alten Rittersleut’ als ihr Kennzeichen und Wappen erhoben. Es war sicher nicht nur die Form des Berges, der hierzu Anlass gab, vielmehr waren es die Reben und das damit verbundene köstliche Getränk, das bereits in früher Zeit die Gemüter der Ritter beflügelte.

Von der Aussichtsplattform des Turmes reicht die Sicht über den Schutterlindenberg bei Lahr bis zum Kaiserstuhl und den  Südausläufern des Vogesen , über das Durbach zugehörige Tälchen Wiedergrün direkt zum Straßburger Münster, und nach Norden bis nach Baden-Baden und das Niederelsass. Dem Sonnenaufgang nach Osten zu erblickt man die bereits von Christoph von Grimmelshausen beschriebene Moos mit dem 873 m hohen Mooskopf, und nach NO ist ebenso die Hornisgrinde in fast ganzer Größe zu erblicken.  Kein Wunder also, dass sich die Staufenberger diesen einmaligen Hügel zur Errichtung ihrer Burg und Kontrolle über die umgebende Landschaft ausgesucht haben. Sonnenaufgang - Sonnenuntergang  - wo kann man diese Momente eines Tages schöner erleben ? Doch zurück zur Burg. An die Aussichtplattform über dem Keller schließt nach Norden das ehemalige Wirtschaftsgebäude an. Es stellt mit ca 15 x 34 m das flächengrößte Gebäude im gesamten Burgareal dar. In ihm ist seit 1982, nach Einbau von Dachgauben, eine Weinstube (N)  untergebracht. An der SÖ- und NW- Ecke dieses Gebäudes finden wir noch Buckelquader mit groben Bossen und ohne Zangenlöcher. Bei den mehrfachen Um- und Neubauten an diesem Gebäude wurden offensichtlich immer wieder die Steine und Materialien der Vorgängerbauten verwendet. So finden wir Baureste  aus der Zeit des ausgehenden 12., des 14. des 17. und nicht zuletzt des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Die Giebel an der Süd- und Nord-Seite sind als „Staffel-Giebel“ ausgebildet und geben dadurch dem Gebäude seinen eigentümlichen Charakter. Am Südgiebel wurde im Jahre 2000, von einem heimischen Handwerker über dem jetzigen Zugang zur Weinstube eine schöne Sandstein-Sonnenuhr mit einem Durchmesser von  0,90 m  eingesetzt. Ein etwas verwittertes (badisches) Wappen ziert kurz unterhalb der Spitze den Giebel. An der höchsten Stelle des Giebels ist schließlich eine ursprünglich wohl die Windrichtung anzeigende Metall-Figur in Form eines Fisches aufgesetzt. Eine wesentliche Umgestaltung der Innenräume erfuhr das Gebäude im Jahre 1963. Der vermutlich seit dem Einsturz des Gebäudes im Jahre 1663 als Garten genutzte Platz zwischen dem Torturm und dem Kellergebäude wurde ausgehoben und darunter ein Flaschenlager mit Abfüllraum, sowie der bereits erwähnte Verkaufsraum mit kleiner Probierstube eingerichtet. Die Decke dieser Räume bietet heute eine ideale Sitz- und Aussichtsfläche für die unzähligen Besucher, die zu jeder Jahreszeit auf Schloss Staufenberg strömen. Von hier aus kommen wir auch in die Weinstube, die recht geschmackvoll eingerichtet und als Raum für Feste sehr begehrt ist. Hauptziel der großen Umbaumaßnahme von 1963 war die Anpassung des alten Weinguts an moderne Kellertechnik. Dass dabei das wunderschöne riesige Bogengewölbe im Keller zwei massiven Stahlbetondecken weichen musste, kann man zwar verstehen, muss dies aus denkmalschützerischer Sicht jedoch auch bedauern.

Im Schutz der am Tage aufgewärmten Giebelwand kann man das herrliche Panorama, den Sonnenuntergang hinter den Vogesen und das Lichtermeer bis nach Straßburg spät in die Nacht hinein genießen.

Der Schlossbrunnen

Die wohl wichtigste Grundlage jeder Existenz und auch der Ritter von Staufenberg war das Wasser. Ein vermutlich um 1773 als Fachwerk errichteter Querbau am großen Kellergebäude, beherbergt den Schlossbrunnen (0). In der älteren Generation der Durbacher wird dieser Brunnen gerne noch als „Kindlesbrunnen“ bezeichnet. Man erzählte den Kindern, dass der Storch den jungen Leuten die Kindle aus diesem Brunnen holt. Der Brunnenschacht ist rd. 48m in den Fels gehauen und war bis 1919 die einzige Wasserversorgung der gesamten Schlossanlage. Durch das Brunnenhaus führt auch eine alte Holztreppe in die Weinstube im DG.

An der Nordseite des alten Kellergebäudes ist heute noch das Zugangstor zum Dachgeschoss vorhanden, welches allerdings keine Verwendungsmöglichkeit mehr hat. Anstelle des alten Kellerabgangs an der Nordseite des Kellerbaus wurde 1963 ein 30m³ umfassender Wassertank eingebaut. Die Räume des DG werden jetzt ausschließlich für die Gasträume und Wirtschaftsräume verwendet. Ungenutzt sind dagegen die niederen Dachräume über der Weinstube.

Einen historisch und auch baugeschichtlich bedeutsamen Raum nehmen die Gebäude an der Nordseite des oberen Schlosshofes ein. Die Eingangstüre zu den heute von der markgräflichen Familie genutzten Wohnräumen hat die Handschrift von Melchior Wiedergrün von Staufenberg, der diesen Gebäudeteil kurz vor 1600 wesentlich gestaltet hat. (P) Er wird auch als das „Junkerhaus“ bezeichnet. Die Eingangstür zeigt ein Sandsteingewände mit dem Wappen der Wiedergrün von Staufenberg (links), das mit dem heutigen Wappen der Gemeinde Durbach identisch ist. Es ist ein Flachbogen, das Gewände mit Hohlkehlen und flachen Wülsten profiliert, die unten einerseits in einem Volutenablauf,2) andererseits in einen Maskeron 3) enden. Auf der rechten Seite ist das Wappen seiner Frau, einer geborenen  von Blumeneck. Das gesamte Gebäude an der Nordseite der Burganlage wurde von Wiedergrün von Staufenberg durchgreifend erneuert und zeigt seine persönliche Handschrift. Identische Wappen und Profile finden wir auch an der sogen. „Herrenmühle“ in Durbach. An der  nördlichen Seite des Gebäudes führt eine mit rotem Sandstein ausgeführte Spitzbogentür in das heutige Büro des Gutsleiters. Gelegentlich werden in diesem schönen Raum mit einem großen runden Tisch auch Weinproben angeboten. Ein Sandsteinpfeiler mit dem Wappen der Staufenberger und der von Blumeneck  ziert den Raum, der ursprünglich mit verschiedenen schönen Glasfenstern und Motiven aus der Burggeschichte bestückt war. Stuckarbeiten an der Decke und Wandmalereien im neugotischen Stil  des 19 Jhd. lassen erahnen wo einst die Geschichte der schönen Melusine gespielt hat. Lassen wir unserer Fantasie freien Raum, dann können wir uns auch noch die weiteren Räume in der ehemaligen Festung Staufenberg und die bescheidenen „Schätze“ der Staufenberger Ritter vorstellen. Zur Bergseite gegen Norden zieren das mächtige Gebäude zwei schöne runde Glasfenster, das eine mit dem badischen Wappen und schöner Umschrift versehen, das andere mit einfachen farbigen Puzzlescheiben. Entlang den von der markgräflichen Familie privat bewohnten Räumen schließt sich bis an die Umfassungsmauer eine schmale, vom Burgweg nicht einsehbare kleine Terrasse an. Ein Brunnentrog mit dem Wappen des Großherzogtums Baden und der Jahreszahl 1824 sowie den Buchstaben GD ist neuerdings vor dem Gebäude aufgestellt.

Zuletzt sei der bereits eingangs erwähnte, vom Burghof über eine steile Sandsteintreppe zu erreichende Keller unter dem Büro und markgräflichen Wohnung erwähnt. Er wird heute gelegentlich für kleinere Weinproben und Veranstaltungen genutzt und bietet mit seinem groben, ursprünglichen Mauerwerk, den uralten, riesigen Eichenstreben und der ebenfalls mit starken Eichenbalken ausgeführten Kellerdecke ein romantisches Ambiente.

Wenn auch das „Sichtbare“ beschrieben und das Schöne bewundert ist, so gibt es auf Schloss Staufenberg doch noch einige  im Dunkeln liegende Burgteile, die ihre Geheimnisse und die Sagen um die alte Ritterburg bewahren.

 

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