Sagen aus dem Durbachtal

Viele Sagen berufen sich auf „alte Überlieferungen“ oder haben eine tatsächliche Begebenheit als Grundlage. Die Erzählungen werden im Laufe der Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte immer wieder verändert. Einen realen Ursprung hat auch die nachfolgende Sage, die man sich in Durbach erzählt.

Wetter machen

Eine Wirthsfrau im Durbacher Thal ging, mehrere Tage hintereinander, nach dem Mittagessen aus und kam erst in zwei Stunden wieder nach Haus. Ihrem Mann fiel dies endlich auf, er schlich ihr nach, und fand sie, in einem Fruchtfeld, auf einer Menge Eier sitzen. „Was machst du da?“ fragte er, und sie antwortete: „Hättest du nur noch eine Viertelstunde gewartet, so wäre ein starkes Hagelwetter gekommen und hätte die ganze Aernte zerschlagen.“ Da nahm er sie mit in den Ort zurück und klagte sie der Zauberei an, deren sie auch schuldig befunden und öffentlich verbrannt wurde.

 

Den Ursprung dieser Geschichte findet man im Gemeindearchiv in einem Stapel von „Stauffenbergisch – Ambts-Prothocoll pro Anno 1700“. (Originale im Generallandesarchiv Karlsruhe  unter 61/12596 c)

Beim  „Ambts-Verhör“ auf Freytag, den 10. September 1700, gehalten in Anwesenheit des Amtmanns Georg Johann Carl Grünlinger, Franz Joseph Nefz, Amtsschaffner, Tobias Geltrich, des Schultheiß und Jacob Schmidt, des Gerichts-Zwölfers

führte der Schuhmacher Martin Sittner aus Durbach darüber Klage, dass der Schulmeister Hans Jacob Nagenbach den Pfarrer angehalten habe, seine Frau zu befragen ob ihr das Wetter auch Schaden gethan. Diese Frage habe seine Frau mit „Ja“ beantwortet. Kurz darauf als der Schulmeister dies wohl vom Pfarrer erfahren habe, habe er ihn, Sittner, als Schelm und Dieb bezichtigt und seine Frau sei eine Hex und Hex und habe das Wetter gemacht.

Nagenbach musste sich gegenüber dem Gericht wegen diesen Aussagen erklären und auf Anordnung des Gerichts bei Sittner auch entschuldigen. Im „Beschaid“ des Gerichts heißt es: Zur ferneren Verhütung sollen sich Beide einander „umb Verzeihung bitten und sich von dergleichen feindseligen Händeln zur Vermeidung von Feindschaft auch fürhin in Fried und Einigkeit miteinander leben.

                Josef Werner, Ratschreiber, September 2012

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