Rebenerziehung in alter Zeit

Mit dem Rebschnitt schafft der Winzer bereits in der Winterzeit  die ersten Voraussetzungen für den Ertrag im kommenden Weinjahr.

Durch die heutigen , sehr weit selektionierten und veredelten Reben, sind im Gegensatz zu den früher üblichen wurzelechten Reben, bereits sehr gute Voraussetzungen für einen guten Ertrag und Qualität gegeben. Trotzdem liegt es am Geschick und der Kenntnis des einzelnen Winzers, die Reben so zu pflegen, dass Ertrag und Qualität den Ansprüchen unserer Zeit entsprechen.

Im Jahre 1824 war von veredelten Reben noch nicht die Rede. Wissenschaftler und Pflanzenkundler suchten neben den Winzern deshalb Möglichkeiten um den von Schädlingen und Witterung beeinträchtigten Weinbau etwas zu verbessern.

Im Jahre 1817 veröffentlichte ein Weingärtner namens Lambry  im südlichen Frankreich „ein Mittel“ um das sogenannte „Reeren, Ausfallen oder Reißen der Weintrauben zu verhüten und die Reife dadurch um 8 – 10 Tage zu bechleunigen“.  Königliche Kommissionen wurden zu den Versuchen beordert um die Sache an Ort und Stelle zu prüfen. Für seine Versuche erhielt Lambry am 5. März 1817 eine goldene Madaille der Königlichen Ackerbaugesellschaft zu Paris.

Die Rebenversuche des Lambry aus Südfrankreich wurden von J. A. Pecht aus Würzburg im heimischen Rebgebiet erprobt und die Erfolge zur Nachahmung der Deutschen Winzer veröffentlicht.

Kernpunkt der Versuche war das Ziel, das früher bei vielen Sorten sehr oft verbreitete „Reeren“, d.h. ausrieseln der Blüten oder Beeren, was in manchen Jahren nur sehr geringe oder oft keine Erträge zur Folge hatte, zu verhindern. Man suchte deshalb Wege um

a)     Den Ertrag zu steigern
b)     Die Traubenreife zu beschleunigen
c)     Auch durch Einsparung der notwendigen,
        aber doch Kostenaufwändigen Rebstecken diese Kosten zu reduzieren.l

Als Rezept gegen das missliche „Ausreeren“  wurde von Pecht empfohlen am letztjährigen Holz einen Einschnitt zu machen, durch welchen der Saftfluss im Rebstock gehemmt wird.  Der Rinden-Einschnitt durfte natürlich nicht zu tief sein wenn man den Rebstock nicht schädigen wollte. Pecht erfand zu diesem Zweck eine spezielle Zange, mit der man rationell und leicht die „Operation“ durchführen konnte. „Ich rathe jedem, welcher mit dieser Operation einen Versuch machen will, bis er gänzlich geübt und erfahren darin ist, den Rinden-Ausschnitt bey einer Bogenrebe nur an der Stelle zu machen, wo im kommenden Frühjahr der Bogen weggeschnitten wird!“ riet Pecht den Winzern.  Als Vorteil dieser Behandlungsmethode versprach der Erfinder eine Steigerung der Erträge um mindestens das Doppelte, was sich auch bei den vielfachen Versuchen ergeben habe.

Zu Einsparung der aufwändigen Rebstecken wurde empfohlen für vier Rebstöcke nur einen Stock in der Mitte zu verwenden und die Reben in der Mitte anzuheften.  Dadurch sollte auch verhindert werden, dass die Rebstöcke bei jedem Sturm umgerissen werden. Bei dieser Erziehungsart wurde jedoch kein Bogen, sondern ein kürzerer Anschnitt  empfohlen um einen zu üppigen Wuchs zu vermeiden.

Beim modernen Weinbau sind derartige Erziehungs- und Anbaumethoden nicht mehr denkbar. Es ist jedoch interessant , auch heute zu wissen, wie sich unsere Vorfahren um die Verbesserungen im Weinbau bemüht haben.

Hilfsmittel:  „Der kunstreiche Wein- und Obstgärtner“ von J.A. Pecht, Würzburg 1824

Josef Werner 2009

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