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Flugzeugunglück am 13.08.1938 am Buchwälder Kopf in Durbach
Telefongespräch mit Valentin Huber, Offenburg, Resedenweg 20, Tel. 0781/ 54108
Valentin Huber * Jahrg. 1920 - Sohn des Hofbauern Valentin Huber im Zinken Durbach-Lautenbach
Gegen 13 Uhr am 13. August 1938 hörte man im Lautenbach und auf den umliegenden Höfen (Dünberg) zunächst Motorengeräusch von einem offenbar tief fliegenden Flugzeug, dann vernahm man ein lautes Krachen. Es herrschte an diesem Tag ein außergewöhnlich dichter Nebel, bzw. Dunst, im Bereich des Brandeckkopfes und um den Buchwälder-Kopf mit Farnhalde. Valentin Huber war mit seinem Bruder Emil als Erster an der Absturzstelle am Buchwälder Kopf. Das Flugzeug war total ausgebrannt. Um die Absturzstelle herum lagen die stark verkohlten Leichen de Passagiere und viel Post und Gepäck, das aus herausgeschleudert wurde und vielfach noch unversehrt war. Darunter z.B. auch eine Mappe mit tschechischem Geld. Der einzige noch lebende Passagier war eine Stewardess, die bis zur Hüfte schwerste Verbrennungen hatte. Während Emil Huber durch das steile und unwegsame Wald- und Rebgelände zu dem ca 1,5 km entfernten Gasthaus „Rebstock“ ging um telefonisch Polizei und Sanitäter zu verständigen, wurde die schwer verletzte Stewardess von weiteren hinzugekommenen Anwohnern mit einem aufgeklappten Pilotensitz auf den Hof des heutigen Weinguts Alfred Huber in Durbach, Lautenbach gebracht. Von dort aus wurde sie nach Offenburg ins Krankenhaus transportiert. Die nun hinzugekommene Polizei sperrte die Absturzstelle weiträumig ab und ließ niemand mehr an die Unfallstelle heran. Die Stewardess trug einen Gürtel mit Kennzeichen einer tschechischen Gewerkschaft. Weil dies bei der Polizei etwas kritisch bewertet wurde, vermutete man „Spionagetätigkeit“. Die Toten wurden von verschiedenen Leuten vom Lautenbach und vom Dünberg, nach Veranlassung durch die Polizei, mit Schlitten über die „Farnhalde“ und „Dünberg“ ins Tal gebracht. Im Jahre 1954 wurde bei Valentin Huber von tschechischer Seite nochmals nachgefragt über die Identität eines Passagiers. Weil die Leichen jedoch alle fast bis zur Unkenntlichkeit verkohlt waren, konnte er hierüber keine Angaben machen.
N.B. J. Werner Meine Mutter Cäzilia war in dieser Zeit auf dem Hofgut Huber im Lautenbach tätig. Sie hat mir einmal darüber erzählt wie man die Stewardess auf den Hof brachte. Sie sei so schwer verletzt gewesen, dass sie wegen den großen Schmerzen darum gebeten habe, man möge sie doch von ihren Schmerzen erlösen.
Abschrift Zeitungsbericht
Tschechisches Verkehrsflugzeug im Schwarzwald abgestürzt
Furchtbares Unglück im Nebel – 16 Tote – Die Maschine gegen Bergkuppe geflogen Eigener Bericht des „Führer“
Karlsruhe, 14. Aug. Am Samstagmittag gegen 13 Uhr verunglückte ein tschechisches Verkehrsflugzeug der Linie P r a g - P a r i s im Schwarzwald bei Durbach. Das Verkehrsflugzeug war am Vormittag in Prag zum Flug nach Straßburg – Paris aufgestiegen und kam im Schwarzwald in Nebel und Regen. Der Pilot muß sich beim Ueberfliegen der Schwarzwaldberge getäuscht haben und versuchte, anscheinend in der Meinung, dass er sich schon in der Rheinebene befinde, die Nebelwand zu durchstoßen. Dabei rannte die Maschine im Brandeck-Gebiet gegen eine etwa 600 Meter hoch Erhebung, stürzte ab und geriet beim Aufschlag in Flammen. Die Toten: Tschechen, Franzosen und EngländerBauern, die in den Rebbergen bei Durbach arbeiteten, hatten in dem am Samstag herrschenden dicken Nebel das Motorengeräusch der Verkehrsmaschine vernommen, ohne jedoch das Flugzeug zu sichten. Sie hörten dann den Aufschlag der Maschine und eine Explosion und eilten sofort in die Richtung, aus der sie das Geräusch wahrgenommen hatten. Auf dem etwa 600 Meter hohen Berg in der Nähe des Brandeckturms bot sich den herbeieilenden Rebbauern ein schrecklicher Anblick. Das abgestürzte Verkehrsflugzeug war vollkommen ausgebrannt und die Insassen lagen als verkohlte Leichen umher. Es handelt sich um ein Flugzeug tschecho-slowakischischer Nationalität der A i r france, deren Straßburger Direktor im Laufe des Samstag an der Unfallstelle eintraf. Die verunglückten Passagiere sind Tschechen, Franzosen und Engländer, die auf dem Fluge nach Paris begriffen waren. Die mitgeführte Post lag zum Teil unversehrt in der Nähe der Unfallstelle, darunter befand sich zahlreiche Post nach R o t s p a n i e n. Die Stewardeß – die einzig UeberlebendeAls die ersten Durbacher Bewohner an die Unfallstelle gekommen waren, fanden sie etwa 10 Meter von dem verbrannten Flugzeug entfernt ein junges Mädchen mit schweren Brandwunden sitzend, das um Hilfe bat. Sie hatte schwere Brandwunden an den Füßen davongetragen. Beim Absturz war sie aus dem Flugzeug gestürzt. Diese 28jährige Stewardeß des Großflugzeugs, Maria Kreutter aus Wien, war die einzige Ueberlebende dieses schrecklichen Flugzeugunglücks. Sie wurde in das Krankenhaus nach Offenburg überführt. In Offenburg mussten dem Mädchen beide Beine amputiert werden, so dass ihr Zustand sehr ernst ist. Aufbahrung der Verunglückten in OffenburgIm Laufe des Samstagnachmittag erschienen die Staatsanwaltschaft Offenburg, ferner eine Kommission der Luftpolizei Freiburg an der Unfallstelle, die von der Gendarmerie in weitem Umkreis abgesperrt wurde. Die Ueberreste der tödlich verunglückten Passagiere wurden am Samstagnacht nach Offenburg verbracht, wo die Aufbahrung in der Offenburger Leichhalle erfolgte. Am heutigen Sonntag wird eine Kommission des Reichsluftfahrtministeriums aus Berlin und eine Kommission aus Prag an der Unfallstelle in Durbach erwartet. Die Namen der Verunglückten konnte an Hand der Passagierliste des Direktors der Air france aus Straßburg festgestellt werden.
Die Stewardess ist nach meiner Kenntnis in Offenburg verstorben.
Anschrift Weingut Alfred Huber: Lautenbach 2, D 77770 Durbach e-Mail: weingut-huber@t-online.de
Anlage: 1 Bild – die Absturzstelle war auf dem Hügel links oben im Bild (Buchwälder Kopf)
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