100 Jahre Rathaus Durbach 

 

In diesem Jahr wird das Rathaus Durbach100 Jahre alt.

Zu diesem Anlass möchten wir einige historische Hintergründe und die Entstehungsgeschichte kurz zusammenfassen.

Im Jahre 1847 ersteigerte die Gemeinde Durbach das damalige Anwesen mit der „Realgerechtigkeit zum Staufenberg“ von dem in „Gant“ (Verschuldung) geratenen Peter Jlg.

Das Grundstück wurde wie folgt beschrieben:

            Ein zweistöckiges Wirtschaftsgebäude mit der Realgerechtigkeit „zum Staufenberg“ mitten im Thale dahier, eine besonders stehende Scheuer mit Stallung und Holzremise, ein besonders stehender Tanzsaal mit darunter befindlichem Waschhause, ein neu erbautes zweistöckiges Badhaus mit 8 Bad u. 4 Wohnzimmer; sodann ein halber Morgen Garten u. Hofreide – alles neben Xaver Siebert u. Joseph Feger liegend – sodann die zur Wirtschaft gehörige Stahlquelle mit Quater solid gefasst, im Sendelbach dahier, aller Orten neben Joseph Geiler –  zusammen angeschlagen zu 8.500 Fl

 

Bei dem Badehaus handelte es sich um das heutige Gasthaus „zum Bären“. Das „Heilwasser“ aus der Stahlquelle im Sendelbach wurde mit Holzleitungen (Holzdeicheln) vom Sendelbach bis zum Badehaus geführt. Reste dieser Leitung sind heute noch im Wein- und Heimatmuseum zu sehen. Die Badeeinrichtung wurde mit mehr oder weniger Erfolg von verschiedenen Betreibern bis um ca. 1867 weitergeführt.

1852 versteigerte die Gemeinde das Grundstück des „Bad Staufenberg“ an Karl Behr.

Im alten Gasthaus wurde zugleich das Rat- und Schulhaus mit Grundbuchamt eingerichtet. Das alte Rat- und Schulhaus stand direkt unterhalb der Kirche – heute Pfarrzentrum St. Kunigunde.

Bereits 1904 machte sich der Gemeinderat und Bürgerausschuss unter Vorsitz von Bürgermeister Müller über einen möglichen Um- oder Neubau des Rathauses Gedanken. (Neben dem Gemeinderat war der ca. 70 Mitglieder umfassende Bürgerausschuss das beschließende Gremium). Aus finanziellen Gründen wurde die Baumaßnahme zunächst verschoben.

-         Verschiedene Visitationen, so z.B. der Kreisschulvisitatur und des Landgerichts, bemängelten die baulichen Zustände des alten Rathauses. Zur Lehrerwohnung wurde u.a. bemerkt:  „Jeder Beschreibung spottet die vom 1. nach dem 2. Stockwerk führende Treppe. Die einzelnen Treppentritte sind derart ausgelaufen, dass solche nur mit größter Vorsicht begangen werden können. Ein Treppengeländer ist nicht vorhanden. Die Gemeinde hat es nach diesseitigem Erachten nur der Gutmütigkeit des Lehrers zu verdanken, dass derselbe sich schon eine Reihe von Jahren mit der Wohnung zufrieden gab.“

 

Am 5. April 1906 genehmigten beide Gremien mit Zustimmung des Großherzoglichen Oberamts Offenburg die von Architekt Ludwig Kull, Offenburg gefertigten Pläne. Zur Finanzierung wurde eine Darlehensaufnahme von 28.000 Mark beschlossen. Diese Summe entsprach auch dem Kostenvoranschlag. Zur Reduzierung der Kosten wurden vom Oberamt Offenburg kleinere Korrekturen an der Fassade des Neubaus angeregt.

Die Bauarbeiten wurden Mitte 1906 begonnen und waren weitgehend im Dezember 1906 abgeschlossen. Das alte Rathausgebäude wurde bis auf die Grundmauern abgebrochen. Nur wenige Mauerreste sind bis heute im jetzigen Gebäude enthalten.

Bereits am 13. Dezember 1906 konnte der Kreisschulvisitator die neue Lehrerwohnung besichtigen und bemerkte: „Für die im III. Stock befindliche Unterlehrerwohnung, sonst ein freundliches Zimmer mit reizender Aussicht, fehlt der Abort. Die gegenwärtige Inhaberin des Zimmers, Fräulein H a u s e r , hat sich deshalb schon beschwert, da sie da Anerbieten des Hauptlehrers W i l l , welcher die nette Wohnung im II. Stock inne hat, seinen Abort zu benützen, nicht annehmen will.“

 

Im neuen Rathaus waren untergebracht:

a)                  die Gemeindeverwaltung mit Grundbuchamt

b)                 die Sparkasse Durbach-Ebersweier-Nesselried

c)                  die Lehrerwohnung

d)                 der Bürgersaal

e)                  in dem heute als Heizraum genutzten Anbau das Wachtlokal mit 2 Einzelzellen

Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 36.500 Mark.

Im großen Rathauskeller war neben dem Kellerraum für den Lehrer ab 1909 auch noch der Weinhändler Huber eingemietet. Ab ca. 1930 diente der Rathauskeller auch der ehem. Landwirtschaftskammer – Staatl. Weinversuchsgut Steinberg – als Weinkeller.

1911 reichten die Schulräume in dem erst 1899 neu erbauten Schulhaus nicht mehr aus. Der große Bürgersaal wurde deshalb als Schulraum eingerichtet und diente diesem Zweck bis zur Erweiterung der Schule im Jahre 1963.

Zur Ausstattung des Bürgersaals wurden 1906 6 Dutzend Stühle mit Holz und 3 ½ Dutzend mit Rohrsitz beschafft. Offensichtlich wurden Stühle und Bänke aus dem Rathaus bei größeren Veranstaltungen an die Wirte ausgeliehen. 1908 beschloss der Gemeinderat hierzu, dass von den Wirten hierfür eine Leihgebühr von 2 Mark pro Tag zu bezahlen ist.

Bereits 1964/65 wurden die Räume des Rathauses saniert. Die alten Dielenböden wurden durch modernere Fußbodenbeläge ersetzt, die alte Holzofenheizung wurde im „Gefängnis“ durch eine Öl-Zentralheizung ersetzt und die Gemeindekasse zog in die ehemalige Sparkasse um. (Die Bezirkssparkasse Offenburg errichtete ein eigenes Gebäude). In den Folgejahren wurde zunächst die Lehrerwohnung im Obergeschoss als Arztpraxis genutzt, bis diese Räumlichkeiten im Zuge der Gemeindereform ebenfalls für die wachsende Verwaltung benötigt wurden.

Heute sind sämtliche Räumlichkeiten vom EG bis zum DG mit Büros der Verwaltung belegt.

Im ehemaligen Weinkeller soll (sobald die Mittel reichen) ein neuer Archivraum eingerichtet werden, weil die immer mehr wachsenden Aktenberge im DG und sonstigen Behelfsräumen nicht sachgerecht gelagert werden können.

1984 wurde die Außenfassade des Rathauses saniert und auch die Fenster wurden erneuert. In diesem Zusammenhang stiftete der ehem. Ehrenbürger Hubert Frhr. von Neveu eine neue Schriftplatte mit dem Gemeindewappen.

Der Rathausplatz wurde in den 1970er Jahren umgestaltet und der angrenzende Garten im Zuge der Dorfentwicklung 1990 mit schönen Sandsteinen zum Kirchgässle abgegrenzt. Spätere Neugestaltungspläne des Rathausplatzes sind bis heute an den Gemeindefinanzen gescheitert.

 

Durbach, im August 2006

Josef Werner, Ratschreiber                                                                        >zurück>