Luftschutzstollen in der „Rödergasse“

 

Nur wenigen Ebersweirern ist noch die Kriegszeit in den Jahren 1944 bis 1945 in Erinnerung. Beim Ausbau der Kreisstraße K5305 – „Nesselriederstraße“ kamen jetzt wieder die alten Luftschutzstollen zum Vorschein. Was äußerlich nur als „3 kleine Löcher“ zu erkennen ist, das entpuppt sich bei näherem Hinsehen und Recherche bei älteren Einwohnern als Schutzstollen vor Luftangriffen in den Jahren 1944 bis zum Kriegsende 1945. Wie wichtig in den letzten Kriegsmonaten ein Schutzraum für die verängstigte Bevölkerung war, zeigte der Bombenangriff vom 27. November 1944, bei dem in Ebersweier 12 Tote zu beklagen waren. (siehe Bombenhagel auf Ebersweier, Amtsblatt Nr.51 vom 17.12.2004) Schon 1943 gingen auf der Gemarkung Ebersweier vereinzelt Bomben herunter. In Ebersweier gab es außer den nur wenig Schutz bietenden Kellerräumen kaum geeignete Schutzräume. Die Wehrtüchtigen Männer des Dorfes waren fast allesamt im Kriegseinsatz. Frauen und alte Männer waren kaum in der Lage, die Schutzmöglichkeiten an der Heimatfront zu verbessern. Unter Anleitung und Mitwirkung von Ferdinand Kuderer machte sich eine kleine Schar von Buben im Jahre 1944 daran, in der Hohlgasse – „Rödergasse“ – drei Schutzstollen in die Lehm/Mergel-böschung zu graben. Schulunterricht gab es in diesen Kriegsmonaten nicht mehr. So hatten die Buben Zeit. Ob ideal oder nicht, - in der ca. 4 – 6 m hohen Böschung konnte man mit Pickel und Schaufel und ohne Maschineneinsatz graben. Über einen schmalen Pfad wurde der Abraum auf der gegenüberliegenden Seite auf dem oberhalb liegenden Ackergelände verteilt. Schon nach den ersten Tagen suchte man bei jedem Fliegeralarm Schutz in der kleinen Höhle. Oskar und Berthold Eckert erinnern sich noch gut an diese Zeit. Sie halfen dem Ferdi bei den Grabarbeiten und suchten mit ihren Müttern, Geschwistern und anderen Anwohnern immer wieder Schutz unter der Erde. „Man hat sich einfach sicher gefühlt, denn sicherere Alternativen gab es nicht!“ Im Laufe der Monate entstanden so im Abstand von jeweils 12 Metern 3 fast mannshohe und ca. 8 Meter in die Böschung führende Stollen. Zwei der Stollen wurden im hinteren Bereich miteinander verbunden, damit man gegebenenfalls eine Fluchtmöglichkeit hatte. Eine Luftschutzsirene gab es während dieser Zeit in Ebersweier nicht. Man hörte jedoch die Sirenen von Offenburg, wobei dann auch meist schon die Flieger zu sehen waren und suchte dann schnellstens Schutz in einem festeren Keller oder eben diesen Stollen.

Nach dem Krieg verlor sich das Interesse an den einstigen Schutzräumen und teilweise entsorgte man auch Hausmüll in diesen „Löchern“. Ein kalter Luftstrom kommt einem entgegen wenn man in einen der oberen Stollen hineinschaut. Und wenn man noch etwas an diese Zeit zurückdenkt, dann spürt man mit diesem kalten Luftzug auch ein wenig von der Angst, dem Schweiß, der Bedrücktheit und den Sorgen der Leute, die hier einst den Schutz unter der Erde gesucht haben.

Was soll man jetzt mit diesen Stollen machen? Vielleicht ein Zufluchtstollen für die Fledermäuse? Ortsvorsteher Horst Zentner will sich darüber in den nächsten Monaten noch Gedanken machen.

Josef Werner, Ratsschreiber

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