Historische Grabdenkmale am Friedhof Durbach

Sicherlich finden sich auf jedem Friedhof schöne, mit Bildhauerkunst gestaltete Grabdenkmale. Es wäre natürlich Unsinn, alle diese Denkmale auf Dauer zu bewahren.

Der Durbacher Friedhof besteht mittlerweile annähernd 200 Jahre. Er wurde im Jahre 1815 von der Kirche an den heutigen Platz auf der „Ackermatte“ verlegt. Aus den Anfangsjahren des Friedhofs sind leider nur noch 2 kleine Bruchstücke vorhanden, die an der Innenseite der Friedhofsmauer beim Feld II eingemauert sind.

Im Zusammenhang mit der Neuanlage eines Urnengräberfeldes hat der Bauhof verschiedene Grabdenkmale von bedeutenden Bürgern auf der Grünfläche im unteren Bereich des Friedhofs neu eingegliedert. Die Bedeutung eines Denkmals ergibt sich nicht allein durch die bildhauerische Gestaltung, sondern durch das Andenken und die vielen Erinnerungen, die mit der Person oder der Zeit verbunden sind.

Grabdenkmal von Pfarrer Karl Lehn

Karl Lehn war im vergangenen Jahrhundert wohl einer der bedeutendsten Pfarrherren der Pfarrei „St. Heinrich“.

Er galt als der „ungezogenste“ Pfarrer von ganz Baden – weil er seine ganze Priesterlaufbahn in Durbach verbrachte. Geboren am 19.07.1886 in Schwandorf, erhielt er am 06.07.1909 die Priesterweihe. Gleich zu Beginn kam er als Kaplan nach Durbach, wo er nach dem Tode seines Vorgängers, Pfarrer Ries, im Jahre 1918 zunächst als Pfarrverwesen und bald darauf als Pfarrer tätig war. Er war wohl das klassische Bild eines herzensguten Seelenhirten, dem es nicht am Humor, aber auch nicht an der manchmal notwendigen Strenge mit seinen „Schäfchen“ fehlte. In seine Zeit fielen 2 schwere Weltkriege, in denen er nicht nur um seine Kirche, sondern auch um das Wohl und Wehe seiner Schutzbefohlenen zu kämpfen hatte. Vielen Müttern und Ehefrauen musste er oft die Nachricht vom „Heldentod“ des Sohnes oder Mannes überbringen und gleichzeitig Trost spenden.

Gegen Ende des 1.Weltkrieges musste er 3 von 4 Glocken auf den „Altar des Vaterlandes“ legen. Es verblieb lediglich die „St.Georgs-Glocke“ von Schloss Staufenberg. Am 8. Oktober 1922 durfte er wieder 3 neue Glocken in Empfang nehmen. Nach den schrecklichen Kriegs- und Hungerjahren suchte die Bevölkerung des Durbachtales verstärkt Trost und Heil im Gotteshaus. Der Pfarrbezirk von Karl Lehn erstreckte sich nicht nur auf das weit verzweigte  Durbachtal bis zur Moos, sondern auch auf das damals noch zugehörige Bottenau. Zudem zog es auch manche Gläubige von dem ehemals zu Durbach gehörigen „Stab Illental“ (Nesselried) noch in die Durbacher Kirche. Die weiten Wegstrecken für Krankenbesuche oder für Versehgänge wurden von ihm überwiegend zu Fuß bewältigt. Damit alle Gläubigen in der Kirche Platz fanden, wurde 1922 eine Kirchenerweiterung vorgenommen. Die Inflation half mit die Schulden dieser Baumaßnahme zu bezahlen. Zudem gab es fleißige Spender. So stifteten Waldbauern und die Mooswaldgenossenschaft das Bauholz. Die Sandsteine wurden bereits 1911 aus der Moos herbeigeschafft und den Mauersand stiftete Baron Zorn von Bulach aus seiner Sandgrube. Am 14. Mai 1922 war Grundsteinlegung und die opferfreudige Bevölkerung lauschte der Predigt mit dem Thema „Siehe, ich lege in Sion einen Eckstein , einen auserlesenen, kostbaren, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Am 10. Juli konnte man bereits den Maibaum auf den Dachstuhl setzen. Die Gemeinde Durbach, eingeteilt in die Stäbe Heimburg, Bottenau und Gebirg zählte zu dieser Zeit 2.242 Katholiken und etwa ein Dutzend Andersgläubige. An der Schule Durbach-Tal mit 345 Kindern wirkten vier kath. Lehrer und zwei kath. Lehrerinnen, an der Schule im Gebirg mit 85 Kindern war ein katholischer Lehrer beschäftigt. Die Kleinkinderschule, welche vom kath. Frauenverein unterhalten wurde, besorgte eine barmherzige Schwester mit nur wenigen Helferinnen. Wichtigste Vereine waren der Cäcilienverein, die Marianische Jungfrauenkongregation, der katholische Burschenverein, der Frauenverein, die Feuerwehr, Gesang-, Musik-, Turn- und Kriegerverein.

Das „Dritte Deutsche Reich“ brachte für die Kirche, und damit auch für Pfarrer Lehn, einschneidende Veränderungen. So wurden z.Bsp. die kirchlichen Vereine teilweise verboten oder in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Im Vordergrund stand nun nicht mehr der Pfarrer, sondern oft die Partei und deren Gefolge. Wiederum musste Karl Lehn 1941 mit viel Energie darum kämpfen, dass zumindest die ehrwürdige „St.Georgsglocke“ von der Verwendung als „Kanonenfutter“ verschont blieb. Im Jahre 1949 durfte er wiederum 3 neue Glocken einweihen, die bis heute die Gläubigen zum Gebet rufen. Am 21. April 1951 schloss er für immer die Augen. „Sein Wille war, allen ein guter Hirte zu sein“ steht auf dem Grabstein geschrieben. In der Erinnerung der älteren Mitbürger hat Pfarrer Karl Lehn diesen Leitspruch wie kein Anderer erfüllt. Sein Grabstein ist ein Denkmal für einen Menschen, der bis heute die Dankbarkeit der Bevölkerung erfährt.

Dezember 2006, Josef Werner, Ratschreiber

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