Ernährung in Durbach um 1925

Auszug aus „die Sanitären Verhältnisse in der Gemeinde Durbach“von Dr. med. Franz Steiger, praktischer Arzt

Ebenso wie der Rebbauer, sei er Taglöhner oder großer Hofbauer, in seiner häuslichen Einrichtung einfach, primitiv ist, sich auf das Notwendigste beschränkend, so besitzt er auch in der Auswahl seiner Nahrung keine feiner Kultur.

Der Hauptkontingent der Nahrungsmittel wird gestellt durch Kartoffeln, Bohnen, Gelbrüben und durch eine Kohlart; an Fleisch leistet er sich werktags Speck und Schweinefleisch, sonntags in der Metzgerei gekauftes Rindfleisch, das gekocht mit Meerrettich oder als Braten auf den Tisch kommt.

Für die Zubereitung der Speisen wird nicht allzu viel Sorgfalt und Liebe verwandt; hauptsächlich aus dem Grund, weil die Bauersfrau, mit Arbeit überhäuft, danach trachtet, möglichst bald fertig zu werden. Bei der Zubereitung wird überall, auch bei der einfachsten Taglöhnerfamilie darauf gesehen, dass das Essen, Suppe und Gemüse, ordentlich geschmälzt ist; nicht immer verwendet man die beste Qualität für den eigenen Haushalt: die Butter wird verkauft, und als „Schmälze“ dient ein Gemisch von Schweineschmalz und Rindsfett.

An Obst isst der Bauersmann gern gedörrte Birnen, die mit dem Gemüse vermischt, mit Speck versehen, gleichzeitig gekocht werden. Jeder Bauer bäckt sein eigenes Brot, und er ist imstande, ein ausgezeichnetes, wohlschmeckendes Schwarzbrot auf den Tisch zu bringen.

Fünfmal des Tages nimmt er Mahlzeiten zu sich:

morgens zwischen 6 und 7 Uhr gibt es Kartoffelsuppe, für die Frauen meist Kaffee mit Schwarzbrot;

um 9 Uhr geräucherten Speck mit Brot, Quarkkäse, Kartoffelsalat oder ein Bohnengericht in Form von Bohnensalat („saure Bohnen“) oder Ölbohnen, die aus einer gemeinsamen Schüssel gegessen werden; dazu Apfelmost, so genannter  Trunkwein, ein leichtes alkoholisches Getränk mit einem Alkoholgehalt von 2-3 %.

Zum Mittagessen erhält er zuerst eine Suppe (Kartoffel, Haferflocken, Graupen), hierauf Speck im Gemüse gekocht; zwei Tage in der Woche sind fleischlos, wobei es dann Bratkartoffeln mit Milch, Gelbrüben mit Kartoffeln oder ein Bohnengericht gibt; Dazu den obligaten Apfelmost.

Zum Vesper wird nochmals das übrig gebliebene, aufgewärmte Mittagessen aufgetragen; der Tag wird

um 19 Uhr mit einer Suppe oder einer Tasse Kaffee geschlossen.

 

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