Der schwarze Ritter am schwarzen Kreuz

Auf dem Weg vom Schloß Staufenberg nach St. Wendel steht weithin sichtbar unter einer hohen Kiefer einsam das sogenannte „schwarze Kreuz“. Wendelinus-Pilger und Wanderer, die in dunklen unheimlichen Nächten den Weg gehen, haben am schwarzen Kreuz ein seltsames Erlebnis. Beim Sockel des schwarzen Kreuzes steht in mittelalterlicher Eisenrüstung ein schwarzer Ritter. Das Helmvisier ist geschlossen, niemand sieht sein Gesicht. So steht er aufrecht und unbeweglich. Die linke Hand ruht auf einem mächtigen, schwarzen Schild, die rechte hält ein riesiges Schwert. Wenn der Pilger oder Wanderer es wagt, am schwarzen Ritter vom schwarzen Kreuz, so er ihn sieht, vorbeizugehen, so wird er folgendes erleben: Der Ritter steht unbewegt; aber plötzlich reißt er sein mächtiges Schwert gewaltig empor und schlägt damit einen scharfen Hieb durch die Luft. Der Wanderer wird dann ihn Ohnmacht fallen vor Schreck und Entsetzen, so er aber wieder zu sich kommt, ist der schwarze Ritter verschwunden. Drüben aber in der Waldecke steht die lichtumschlossene Gestalt einer Jungfrau von wunderbarer Schönheit, die mit unsagbar trauervollem Ausdruck dem Fremden winkt. Der kann sich aber nicht vom Flecke rühren, bis die Glocken der Kirchen in der Morgenfrühe der Madonna ihr „Ave Maria“ singen.

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