Durbach untergebracht.
Ernst Schnebelt, damals 13 Jahre alt und heute wohnhaft in Oppenau, erzählt: „Bereits seit September 1939 war der Planwagen in der Scheuer für den Evakuierungsfall gerichtet. Als Nahrungsgrundlage waren 2 Sack Mehl und Räucherfleisch vorbereitet, das alle paar Wochen wieder ausgetauscht wurde. Am 14. Juni 1940 war es dann soweit. Unsere Familie zog mit 2 Zugpferden und einem Fohlen nach Durbach. Das weitere Vieh, soweit es nicht vor den Wagen gespannt werden musste, wurde bereits 2 Tage vorher mit der Bahn nach Offenburg verfrachtet und von dort nach Durbach getrieben. Wir waren bei der Familie Andreas Männle im Heimbach untergebracht. Unser Vieh stand in der Scheuer, dort wo heute der Weinverkauf ist. Die Familie selbst wurde im Wohnhaus im Dachgeschoss notdürftig versorgt.“ Gerne erinnert erinnert sich Schnebelt noch an die Ringkämpfe, die er als Bub mit dem damals ebenfalls noch jungen „Männle Andreas“ führte. Beim Aufstieg in den Heimbach war das Fohlen so erschöpft, dass es sich einfach auf die Straße legte. Erst nachdem man einige Zeit später mit der Stute nochmals zurück zum Fohlen ging, folgte es bis zum Hof. Der Aufenthalt der Ichenheimer in Durbach dauerte ca. 8 bis 10 Tage. Manche Ichenheimer fühlten sich aber auch noch länger in Durbach sicher und dehnten den Aufenthalt aus. Es war Heu-Ernte-Zeit. Die Evakuierten halfen teilweise auch mit den Pferden, bzw. dem Vieh bei der täglichen Arbeit auf dem Hof und im Feld. Ernst Schnebelt erinnert sich: „Während wir in Durbach waren, waren zu Hause in Ichenheim Deutsche Truppen untergebracht. Der Stall war nicht ausgemistet und die Pferde standen ½ m hoch im Mist.“
Am 25.6.1940 waren die meisten Ichenheimer wohl wieder in die Heimat zurück gekehrt. Am 17. Juli 1940 wollte Bürgermeister Roth von Durbach von seinem Amtskollegen in Ichenheim wissen, wer denn nun die Kosten für die zur Unterbringung des Viehs errichteten Notpferche bezahle.
Viele freundschaftliche Verbindungen sind seit diesen Tagen zwischen Durbacher und Ichenheimer Familien gewachsen. Ganz spontan erinnert sich der Durbacher Karl Distelzweig an die Tage mit den Familien aus der Riedgemeinde und meint: „Do erinner ich mich noch gued dro. Die Icheheimer hän nach’m Krieg bi jedem Fußballspiel fir uns gschrie’e will’s ne bi uns so gued gfalle het!“ Über die Evakuierung wurde in Ichenheim ein Film gedreht, was aus der dortigen Gemeinderechnung hervorgeht. Der ursprüngliche Ichenheimer Film ist leider nicht mehr vorzufinden. Es wurde deshalb vor wenigen Jahren die Evakuierung in einem neuen Film nachgestellt. Wenige Bilder erinnern heute noch an den „langen Treck“, der in Durbach Schutz und Aufnahme fand.
Josef Werner, Ratschreiber