Eine Botschaft Gottes aus dem Weltall

Es muss schon mächtig „gerummst“ haben, als am 27. Februar 1671 ein Meteorit in der Herrschaft Staufenberg einschlug.
Vor wenigen Wochen machte Frau Ulla Seidel (ehem. Mitarbeiterin der Tourist-Info) auf einen im ZEITMAGAZIN Nr:48/2019 vom 20. November 2019 abgedruckten Bericht von Meteoriten aufmerksam. Der Bericht enthält eine Karte über die bekanntesten, bzw. größten in Deutschland registrierten Meteoriteneinschläge. Darunter ist auch ein am 27. Februar 1671 im Durbacher Hardtwald niedergegangener Meteorit von 4,5 kg.
In den Annalen Ludwig Wilhelm Gilberts, erschienen Leipzig 1803, ist für diesen Meteoriten noch der Ort „Zussenhausen“ (Zusenhofen) nahe Oberkirch angegeben. Eine spätere Bestimmung des Einschlagorts führt jedoch in den Hardtwald in der ehemaligen Herrschaft Staufenberg . Demnach schlug der Meteorit ca. oberhalb des heutigen Rebgebietes „Stöckberg“ unweit von St. Anton ein.
In dem von Gilbert zitierten Brief aus der Ortenau an die Obrigkeit ist der Briefe-Schreiber leider nicht vermerkt. Auch von dem Meteorit selbst ist nichts mehr zu finden.
Die Menschen im 17ten Jahrhundert sahen in dem Meteoriten ein Zeichen Gottes und kündigten eine harte Bestrafung denjenigen an, die nicht nach christlichen Regeln lebten.
Ob die Obrigkeit in der Herrschaft Staufenberg dieses denkwürdige Ereignis wie der Briefe-Schreiber erlebte, lässt sich heute leider auch nicht mehr nachvollziehen. Schultheiß war Johann Hoffacker, Ritterwirt war der Metzger Martin Lang, als „Stabhalter“ fungierte Thomas Werner und Schulmeister war Michael Brüstle. Die Religion und kirchlichen Belange lag in den Händen von Pfarrer Albert Schleck.
Nach dem Tode des Kirchenstifters Wilhelm Hermann von Orscelar, im Jahre 1666, lag die Verwaltung der H. Staufenberg in den Händen des Amtmanns Johann Carl Grünlinger.  Ihm verdanken wir auch einen Bericht über den Zustand und die Underthanen in der Herrschaft Staufenberg des Jahres 1672. Demnach wohnten 167 Männer, 158 Weiber, 6 Wittweiber, 190 Söhne und 201 Döchter in der Herrschaft.
Der Weinjahrgang 1671 wird in Durbach als „mittelschlecht“ bezeichnet.

Ludwig Wilhelm Gilberts Annalen der Physik, Dritter Band , Leipzig 1803 Bd. 33 S.185 ff.
Wahrhafftige Communication und Mittheilung eines beweglichen Schreibens aus der Ortenau vom 27. Februar dieses 1671 Jahrs,
einen aus der Lufft, nach entstandnem erschröcklichen Wind-Sausen und Brausen, anderthalb Schuh tieff in die Erde gefahren zehenpfündigen, einen rechten Hunds-.Kopff ohne Ohren präsentierenden Stein betreffen.
Den Frommen zur Ursach Erfindung
Den -Bösen zur Straffe Ankündung.
An dem Himmel, auf der Erden, in der Lufft und in dem Meer,
Siht man unerhörte Zeichen. Christen-Mensch! Dich doch bekehr.
Lass von deinem Sünden-Greul, wann Gott völlig wird aufwachen wird. Er dir sonst den Process unerhört erschröcklich machen.
Gedruckt im Jahr Christi 1671.

Extract Schreibens aus der Ortenau vom 27. Febr. Anno 1671.
Mein hochgeehrter Herr! Betreffend das plötzliche und entsetzliche Wunder-Getöß so in hiesiger Nachbarschafft kurtzverwichener Zeit gehört worden, davon von jungen und alten, hohen und niedern viel gesagt wird, und der Herr gewisse Nachricht verlangt, hat es damit diese eigentliche und gründliche Beschaffenheit; Dienstags, den 27. Dito als der Himmel umb den Mittag zimlich klar: und allein die Sonn mit einem geringen schwartzen Gewölck überzogen gewesen, wurde aus derselben Gegend erstlich ein starcker Knall gleich einem doppelten Carthaunen-Schuß: und gleich auff denselbigen ein Gekläpff gehöret, als wann eine starcke Salve aus Musqueten oder Doppelhacken gegeben worden were, ohne das man etwas von Plitz oder Feuerzeichen in der Lufft gesehen hette; In selbigem Moment haben die Leute hin und wider in dem Feld und welche etwan sonst der Orten jrgendhin über Land gewandelt, und zwar auf 3. 4. 5. Auch mehr Stundwegs weit voneinander, über ihnen etwas durch die Lufft erschröcklich Sausen und Brausen hören, gleichsamb als wanns lauter Stück – Kugeln gewest weren, wesswegen sich etliche voller Schrecken geduckt, etliche aber aus gehlinger Furcht gar zu Boden gefallen, darunder auch sonst hertzhaffte Männer gewesen;

Under andern beteuert ein Metzgers Knecht so damals über den Kniebis gereiset, sehr hoch, daß etwas über ihm hinaus gefahren, gleich einer glüenden Kugel, davon er gleichfals nidergefallen, und sich eine gute Zeit nicht besinnen können, ein anderer so bey Ober-Kirch eben an einem Hag gemacht, sahe an einem Ort ins Feld, der Kräntzschollen genannt, etwas von Grund über sich spritzen, gieng folgends mit noch einem andern doch nicht ohne Grausen hinzu, und als sie ein Loch daselbst funden, gruben sie hernach und erhuben einen Stein nur anderthalbe Schuh tieff in der Erden stecket, welchen ich wol besehn, der wigt zehen Pfund und ist seiner geringen Grösse nach zimlich schwer, auswendig gantz schwartz und inwendig grau, wie sonst die Donner-Keil gemeiniglich zusehen pflegen, seine Form gleichet sich beynahe einem Hunds-Kopff ohne Ohren, ist etwas löhenicht gleich wie mit Fingern hinein gedruckt, wie die Steine so theils Orten im Mergelboden zu wachsen pflegen; Daß dieser nun wie andere Donner-Stein im Lufft generiert worden, werde ich mich schwerlich überreden lassen, weil er ein mineralisch Ertz zu haben scheinet, und nicht wie andere dergleichen Stein die frisch bekommen werden, nach dem sie herunder gefallen, nach Schwefel gerochen oder heiß gewesen; Sondern will viel ehender zugeben daß diese
Steine, weil man sie an unterschiedlichen Orten so weit voneinander gehöret, doch vielmehr gewest, und daß sie aus Verhängnuß Gottes vom bösen Geist und seinem Anhang auff Erden gesamlet; in die Lüffte geführt und von dannen wider herunder zerstreut worden; lasse doch sonst einen jeden seine Meinung, auch denen so es vor ein Zorn-Zeichen des Höchsten halten: und etwas Künfftigs daraus wegen der steinern Türcken Hertzen und grimmigen Hundes-Art, die sie gegen das teure Christen Blut zu verüben pflegen prognosticirn möchten; Sonsten höret man nicht daß (Gott lob) ohne den Schrecken so einige davon eingenommen, jrgends ein Schade weder an Menschen, Viehe, Gebäuen oder Bäumen dardurch geschehen; Hat also der Herr hiemit die gründliche Wahrheit dieser Geschichte. Sollte über Kurtz oder Lang etwas weiters Schreibwürdiges sich ereignen, werde ichs gleichfalls fleissig zu berichten nicht unterlassen. Bei Beschließung diß wird gefragt, daß die Innwohner des Oesterreichs; Dorffs Zussenhausen, ein Stund gehens von Ober-Kirch abgelegen, auch einem solchem Stein von neun Pfunden bekommen haben sollen.

Durbach, im Februar 2020
Josef Werner

Ausschnitt aus der Karte „Herrschaft Staufenberg“ um 1760. Die Einschlagstelle des Meteoriten lag vermutlich oberhalb des Acker/Rebgeländes in den Stöcken im Waldgebiet nahe St.Anton.